No-Gos am Berg

Hüttenwirte packen aus! Diese Wünsche sorgen für Zoff

Mehr Luxus, mehr Extrawünsche: Schweizer Hüttenwirte erzählen, warum manche Gäste ihren Berg-Alltag erschweren.
Heute Life
09.09.2026, 13:00
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Ob Eiswürfel im Getränk, Sonderwünsche beim Essen oder ein privates Bad – auf Schweizer Hütten stoßen diese Erwartungen rasch an ihre Grenzen. Gegenüber "20 Minuten" schildern vier Hütten-Teams, wo sie sich oft unnötig Arbeit machen müssen und was sie sich von ihren Gästen wirklich wünschen.

Claridenhütte: "Wir haben die gleichen Wetter-Apps wie ihr"

"Mittlerweile sind viele Hütten modern und komfortabel ausgebaut. Da habe ich ein gewisses Verständnis für Fragen nach Dusche, WLAN oder Steckdosen", erzählt Angi Rueggiero von der Claridenhütte im Glarnerland. Was viele aber unterschätzen: Der Unterschied zum Gasthaus im Tal ist gewaltig. "Wenn uns der Salat, das Gemüse oder das Lieblingsbier ausgeht, bestellen wir deswegen nicht sofort einen Heliflug", sagt sie. Das Team muss dann mit dem auskommen, was noch da ist.

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Auch beim Wetter wissen die Hüttenwirte nicht mehr als die Gäste. Eine Frage kommt besonders oft: Immer wieder will jemand wissen, wann das nächste Gewitter kommt. "Wir haben die gleichen Wetter-Apps wie die Gäste", betont Angi.

"Wasser und Strom sind auf einer Hütte nicht selbstverständlich", meint sie im "20 Minuten"-Interview. Selbst mit Solaranlage bleibt vieles wetterabhängig. Ihr Tipp: Genieß die Natur, die Ruhe und das langsamere Tempo am Berg.

Lämmerenhütte: "Am Herd ist nicht unendlich Platz"

Auch Annina Glauser, Hüttenwirtin der Lämmerenhütte im Wallis, kennt Gäste mit Sonderwünschen nur zu gut. "Die Erwartungen an das Verpflegungsangebot steigen stetig", erzählt sie. An manchen Abenden muss ihr Team bis zu sechs verschiedene Spezialwünsche berücksichtigen. Auf dem Herd ist der Platz begrenzt, gleichzeitig muss bei jedem Gericht darauf geachtet werden, wer was essen kann oder möchte." Das alles im Kopf zu behalten, ist eine echte Herausforderung.

Und die Ansprüche hören beim Essen nicht auf: "Auch Erwartungen wie Eiswürfel in den Getränken, Fleisch auf dem Morgenbuffet und ein eigenes Badezimmer gehören zum Alltag." Was sich Annina wünscht? "Genieß es, den Alltagsstress unten im Tal zu lassen und mit der Einfachheit am Berg abzuschalten. Weniger ist oft mehr."

Sewenhütte: "Geht gar nicht, wenn nur 17 statt 18 kommen"

"Wo es manchmal hapert, ist bei großen Gruppen", erzählt Ursi Gehrig-Gisler. Sie und ihr Mann führen seit 19 Jahren die Sewenhütte hoch über dem Meiental im Kanton Uri. "Wenn sich ein Turnverein mit 18 Personen anmeldet, dann aber nur mit 17 auftaucht, ist das ein Mehraufwand für uns." Das Team hat fürs Kochen bereits mit 18 Gästen gerechnet, und ein Bett bleibt frei, das sonst jemand anderer hätte haben können.

"Ich verstehe nicht, warum du nicht kurz das Telefon in die Hand nehmen und uns am Morgen informieren kannst", sagt die Hüttenwirtin. Sie unterstellt den Gästen aber keine böse Absicht. "Vielleicht waren sie einfach noch nie auf einer Hütte und wissen schlicht nicht, was das für uns bedeutet."

Grundsätzlich gibt es mit den Gästen kaum Probleme: "Zu 99 Prozent läuft alles gut", so Ursi. Ihr Wunsch ist einfach: "Wer später, mit weniger Gästen oder gar nicht kommt, soll die Hütte möglichst früh informieren." Besonders bei Schlechtwetter gibt es viele Absagen. Für einen Besuch auf der Sewenhütte muss aber nicht die Sonne scheinen – auch bei Regen oder sogar Schnee kann man kommen. "Es hängt nicht vom Wetter ab, sondern von der Einstellung", sagt sie.

Wildstrubelhütte: "Eine Hütte ist kein 24-Stunden-Hotel"

Auf der Wildstrubelhütte an der Grenze zwischen Bern und Wallis beobachten Konrad, Joy, Sophie und Michèle immer öfter eine "Nach mir die Sintflut"-Haltung. "Manche Gäste erwarten viel Komfort, Sauberkeit und Service, vergessen aber, dass sie selbst zum Hüttenalltag beitragen", erklärt das Team.

Auch Lebensmittelverschwendung ärgert die Wirte: "Beim Frühstück werden riesige Scheiben Käse oder Salami abgeschnitten und am Ende unter dem Tisch oder im Abfall wiedergefunden." Andere packen sich gleich Jause ein, obwohl es dafür extra "Sandwiches zum Selbermachen" gibt.

Das wünscht sich das Team: "Kommt als Gast, aber verhaltet euch auch ein bisschen wie ein Teil der Gemeinschaft." Eine Hütte ist kein 24-Stunden-Hotel mit endlosen Ressourcen. "Wer mitdenkt und die Hütte so hinterlässt, wie er sie selbst gerne vorfinden würde, macht den Aufenthalt für alle angenehmer."

red,09.09.2026, 13:00