"Wir haben uns entschieden, den Hotelbetrieb nicht weiter fortzuführen", erklärten kürzlich die Betreiber des noch jungen Beherbergungsbetriebs im historischen Sgraffitohaus in Retz gegenüber den Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN).
Nachdem bereits zu Weihnachten die Betreiberin der Rooftop-Bar ihren Rückzug bekannt gegeben hatte, folgt nun der nächste Schlag für die Stadtgemeinde im nördlichen Weinviertel.
Hier, nur 12 Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt, wurde im vergangenen Sommer noch gefeiert: Das Hotel lud zu einem Sommerfest im Sgraffitohaus. Nur wenige Monate später ist von der gelösten Stimmung der Betreiber nichts mehr übrig: "Eine offizielle Bekanntgabe zum genauen Zeitpunkt der Schließung wird zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen", heißt es laut NÖN.
Zu den Hintergründen wollten sich die Verantwortlichen nicht äußern. Nur eine Sache gelte es klarzustellen: "Diese Entscheidung steht in keinem Zusammenhang mit der Schließung des Rooftop-Restaurants." Vielmehr hätten bestehende Konflikte mit dem Verpächter, die mittlerweile über Anwälte ausgetragen würden, dazu geführt.
"Wir haben sowohl viel persönliches Engagement als auch eine erhebliche finanzielle Investition in das Hotel eingebracht. Leider haben sich zahlreiche Angaben, die vor der Übernahme gemacht wurden, im Nachhinein als unzutreffend herausgestellt", erklären sie der NÖN ihre Enttäuschung. Eine außergerichtliche Einigung sei nicht möglich gewesen: "Wir bedauern die Entwicklung sehr, da wir das Hotel weiterhin als ein architektonisch und konzeptionell besonderes Haus wahrnehmen."
Das dreigeschoßige Eckhaus, mit seiner auffälligen Fassade, war 1576 vom Eisenhändler und späteren Stadtrichter Augustin Resch errichtet worden. Vier Jahre später, im Jahr 1580, wurde die Fassade aufwendig mit Sgraffito-Dekorationen verziert – einer in der Renaissance beliebten Wandtechnik. Die geschichteten Ornamentbänder am südlichen Hauptplatz von Retz erzählen Geschichten der Antike und der Bibel und zählen zu den am besten erhaltenen Sgraffiti Österreichs.
Verpächter Lukas Fabianek zeigte sich auf Nachfrage überrascht. Offiziell habe er noch gar nichts von der Schließung gewusst, dementsprechend könne er sich dazu nicht konkret äußern. Über die Hösch Hotels & Residences GmbH, die das Hotel betreibt, wurde am 11. Februar 2026 am Landesgericht Korneuburg ein Konkursverfahren eröffnet. Dem lag ein Eigenantrag der Betreiber zugrunde.
Wie der Alpenländische Kreditorenverband schreibt, kann die Hösch Hotels & Residences GmbH ihren laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Dabei blieb unklar, in welcher Höhe Ausstände vorliegen. Insolvenzverwalter Patrick Gensbichler, Rechtsanwalt in Wien, wurde beauftragt, diese Schulden und eventuell vorhandenes Kapital zu erfassen.
Gleichzeitig haben die Gläubiger noch bis 2. April 2026 Zeit, ihre Forderungen beim Landesgericht Korneuburg anzumelden. Berichtstagsatzung, Prüfungstagsatzung und Gläubigerversammlung wurden für den 16. April 2026 festgelegt. Da das Verfahren über den besagten Eigenantrag als Konkursverfahren eröffnet wurde, dürfte damit feststehen, dass es keine Fortführung geben wird.