Der Donnerstag ist ein entscheidender Tag für die künftige Führungsriege im ORF. In den Stiftungsrats-Ausschüssen für Finanzen und für Vergütung geht es um ihre künftigen Managementgehälter. Angesichts des vom künftigen Generaldirektor Clemens Pig angekündigten Sparprogramms dürfte ihnen dabei eine deutliche Kürzung drohen.
Zur Erinnerung: Der geschasste Generaldirektor Roland Weißmann hatte laut Transparenzbericht des ORF zuletzt satte 427.500,04 Euro gecasht. Insgesamt gab es 72 Mitarbeiter, die über 170.000 Euro brutto im Jahr verdient haben und damit im Transparenzbericht namentlich aufgelistet werden müssen. So verdiente etwa ZiB2-Anchor Armin Wolf im Vorjahr 275.390,89 Euro. Dazu kamen 8.820,36 Euro als durchschnittliche monatliche Bezüge aus Nebenbeschäftigungen.
Insgesamt soll diese Liste künftig reduziert werden, die Zahl der Programmhauptabteilungen halbiert werden.
Insgesamt beziffert Clemens Pig die notwendige Kostensenkung auf mehr als 140 Millionen Euro. Es ist schwer vorstellbar, dass da die Führungsebene nicht auch Federn lassen muss. Sie soll laut "Heute"-Infos verkleinert werden. ORF III soll zwar bestehen bleiben, allerdings mit Veränderungen bei der Produktion.
Der künftige Generaldirektor will selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Er hat angekündigt, dass er auf Bonuszahlungen verzichten will und auch gegenüber der Weißmann-Gage Abstriche machen will. "Ich beginne beim Sparen bei mir selbst", wird er im "Standard" zitiert. Kurios: Weißmanns Gehalt lag bereits unter jenem seines Vorgängers Alexander Wrabetz.
Ob Pig tatsächlich auf einen Teil seines Gehalts verzichten wird, bezweifelt etwa der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat Peter Westenthaler. "Die Ankündigung ist erst dann etwas wert, wenn die Zahlen auf dem Tisch liegen", sagt er im "Heute"-Gespräch.
Ein Grund für den Spardruck im ORF: die Kürzung des Bundeszuschusses im Ausmaß von 93 Millionen Euro. Zur Einordnung: Das Gesamtbudget des Öffentlich-Rechtlichen liegt bei 1,1 Milliarden Euro. Davon kommen mehr als 750 Millionen Euro aus der höchst umstrittenen "Haushaltsabgabe", die jeder Haushalt zahlen muss.
Der ORF geht vor dem Verfassungsgerichtshof rechtlich gegen diese Kürzung vor. Trost für den Küniglberg: Man verfügt über ein "Sperrkonto", auf dem Beitragseinnahmen aus den vergangenen Jahren gebunkert sind. Schätzungen gehen von etwa 40 Millionen Euro aus.
Wie auch immer diese Causa ausgeht: Über die notwendigen budgetären Einsparungen und auch den prognostizierten Millionenverlust im kommenden Jahr berät am Donnerstag der Finanzausschuss des Stiftungsrates in einer Sondersitzung. Start ist um 14 Uhr.