Steile Felswände, tief unten das Wasser und nur wenige Meter entfernt der Bodensee: Die Marienschlucht gehört zu den spektakulärsten Naturzielen der Region. Elf Jahre lang konnten Wanderer sie jedoch nicht betreten. Seit diesem Frühjahr ist das beliebte Ausflugsziel wieder zugänglich – allerdings gibt es vor einem Besuch einiges zu beachten.
Der Grund für die lange Sperre war tragisch: 2015 kam es nach anhaltendem Regen zu einem schweren Erdrutsch. Eine Frau kam dabei ums Leben, ihr Mann wurde schwer verletzt. Danach blieb die Schlucht aus Sicherheitsgründen geschlossen.
Herzstück der neuen Marienschlucht ist ein spektakulärer Panoramasteg aus Stahl. Er verläuft teilweise rund zehn Meter über dem Schluchtboden und eröffnet völlig neue Perspektiven auf die Felslandschaft. Gemütliches Flanieren sollte man allerdings nicht erwarten: Rund 280 Stufen sind zu bewältigen, insgesamt werden 56 Höhenmeter überwunden. Fünf Plattformen bieten unterwegs Ausblicke in die Schlucht und teilweise hinaus auf den Bodensee.
Der neue Weg dient dabei nicht nur den Besuchern: Weil Wanderer nicht mehr direkt durch den sensiblen Schluchtgrund laufen, sollen auch Tiere und Pflanzen besser geschützt werden. In der Umgebung brütet unter anderem der geschützte Wanderfalke.
Wer jetzt spontan die Wanderschuhe schnüren möchte, sollte allerdings nicht einfach losfahren. Nach einem Unwetter Ende August 2026 mussten Wege rund um die Marienschlucht erneut gesperrt werden.
Nach dem offiziellen Stand vom 2. September war die Schlucht zu Fuß über den Uferweg aus Richtung Bodman sowie über den Wanderweg aus Richtung Wallhausen beziehungsweise Burghof erreichbar. Der Weg vom Parkplatz Marienschlucht in Langenrain zum oberen Schluchteingang war dagegen wegen Aufräumarbeiten vorübergehend gesperrt.
Da sich die Situation nach Unwettern kurzfristig ändern kann, gilt deshalb: Unbedingt unmittelbar vor dem Ausflug die aktuellen Hinweise der Marienschlucht beziehungsweise der örtlichen Touristiker kontrollieren.
Normalerweise lässt sich ein Besuch außerdem besonders schön mit einer Schifffahrt auf dem Bodensee verbinden. Die Anlegestelle Marienschlucht wurde gemeinsam mit dem Ausflugsziel im März wieder in Betrieb genommen. Auch hier können Wetter und Sperren jedoch dazwischenfunken: Nach dem Unwetter Ende August wurde die Anlegestelle zeitweise nicht angefahren. Wer Wanderung und Schiff kombinieren möchte, sollte daher zusätzlich den aktuellen Fahrplan prüfen.
Trotz des neuen Stahlstegs bleibt die Marienschlucht ein Naturziel. Rundherum warten naturbelassene Wege, Steigungen und zahlreiche Stufen. Trittsicherheit und festes Schuhwerk sind daher empfehlenswert. Und auch das neue Sicherheitskonzept kann Naturgefahren nicht einfach verschwinden lassen. Am sogenannten Mondfelsen überwachen Sensoren den gefährdeten Bereich; Tore können Wege bei drohendem Steinschlag oder Erdrutschen sperren.
Deshalb lohnt sich vor der Fahrt ein kurzer Check: Denn nach elf Jahren Sperre ist eines der eindrucksvollsten Ausflugsziele am Bodensee zwar endlich wieder erlebbar – ob und über welchen Weg man hineinkommt, kann sich jedoch kurzfristig ändern.