"Gürtel enger schnallen"

Neuer ORF-Chef packt aus: So will er den Sender umbauen

Der ORF steht vor einem harten Sparkurs: Ab 2027 fehlen bis zu 93 Millionen Euro. Generaldirektor Pig schließt einen Personalabbau nicht aus.
Newsdesk Heute
13.08.2026, 20:15
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Beim ORF stehen tiefgreifende Veränderungen bevor. Der neue Generaldirektor Clemens Pig muss ab 2027 mit bis zu 93 Millionen Euro weniger auskommen – und macht deutlich, dass dabei auch Jobs auf dem Spiel stehen könnten.

Im "Kurier"-Interview schließt Pig einen größeren Personalabbau jedenfalls nicht aus. "Den kann ich zum aktuellen Zeitpunkt leider tatsächlich nicht ausschließen. Das wäre unseriös. Es wäre aber auch unseriös, jetzt mit Zahlen um sich zu werfen, die nicht validiert sind."

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Bis zu 93 Millionen Euro fehlen

Hintergrund ist eine Entscheidung der Bundesregierung, durch die der ORF ab 2027 bis zu 93 Millionen Euro weniger erhält. Pig stellt klar, dass der Sender deshalb kräftig sparen muss.

"Es wird viel zur Diskussion stehen. Zu diesem Thema möchte ich festhalten, es ist ganz klar, dass der ORF einsparen muss und einsparen wird. Wir alle müssen den Gürtel enger schnallen. Da führt auch für den ORF kein Weg vorbei."

Massive Einsparungen notwendig

Problematisch sei für ihn vor allem, wie kurzfristig die Einsparungen umgesetzt werden müssen. Das entsprechende Gesetz sei erst wenige Tage alt, bereits ab Jänner 2027 müsse der ORF aber mit deutlich weniger Geld auskommen.

Im kommenden Jahr könnte die Lücke laut Pig unter anderem durch Einmaleffekte und die Auflösung von Rücklagen abgefedert werden. Gleichzeitig seien zusätzliche massive Kosteneinsparungen notwendig. Auch das Radio-Symphonieorchester RSO könnte im Zuge der Sparmaßnahmen erneut zur Diskussion stehen.

Landesstudios sollen bleiben

An den neun ORF-Landesstudios will Pig grundsätzlich festhalten. Gerade regionale Inhalte sollen seiner Ansicht nach künftig sogar wichtiger werden.

"So gedacht sind die Landesstudios natürlich tabu." Gespart werden könnte dort allerdings an anderer Stelle. Pig nennt Verwaltung, Strukturen, Prozesse und Technik. Auch die Landesstudios müssten ihren Teil zur Konsolidierung des Budgets beitragen.

ORF 1 soll jünger und "cooler" werden

Neben dem Sparkurs plant Pig auch inhaltliche Veränderungen. Besonders ORF 1 soll ein jüngeres Publikum erreichen. "Insgesamt haben wir auch das Thema, dass er sich vor allem im Bereich von ORF 1 verjüngen muss durch ein neues, moderneres, cooleres Programm."

Dafür wurde die neue Direktion "Audience und Plattformen" geschaffen. Sie soll stärker aus Sicht der Nutzer denken und sich damit beschäftigen, welche Inhalte vor allem jüngere Menschen erreichen.

Auch die Programme von ORF 1, ORF 2 und ORF III sollen künftig besser aufeinander abgestimmt werden. Gleichzeitig will Pig die digitale Präsenz des öffentlich-rechtlichen Senders stärken und dabei auch mögliche Kooperationen mit privaten Medien berücksichtigen.

Pig will "alte Zöpfe" abschneiden

Veränderungen kündigt der künftige Generaldirektor auch bei der Unternehmenskultur an. Dabei will er sich mit umstrittenen Fällen, wie die Causa Weißmann und Manager Pius Strobl, aus der Vergangenheit auseinandersetzen. "Ich möchte diese alten Zöpfe, diese Altlasten abschneiden."

Problematische Altfälle will Pig in eine von ihm als virtuelle "Bad Bank" bezeichnete Konstruktion auslagern – sowohl buchhalterisch als auch kommunikativ.

"Dazu zählen die Skandale, dazu zählt aber auch das, was man gemeinhin als weiße Elefanten bezeichnet. Das alles werde ich in diese Bad Bank geben und dem ORF, seiner Belegschaft und dem Publikum schlichtweg Rechenschaft ablegen, dass ich dieses Unternehmen durchlüften möchte, befreien möchte vom politischen Einfluss und befreien möchte von einer von nur ganz wenigen Menschen gelebten Unternehmenskultur, die sich niemand verdient hat."

Kritik nach Direktoren-Wahl

Sein neues Direktorenteam hat Pig bereits durch den Stiftungsrat gebracht. Er wertet das Verfahren als wichtigen Schritt zu mehr Unabhängigkeit des ORF von der Politik. "Das war ein richtiger Befreiungsschlag. Das war gerade in der jetzigen Phase für den ORF wichtig. Und zugegebenermaßen, es war auch für mich persönlich sehr wichtig."

Die FPÖ-Stiftungsräte stimmten bei der Wahl nicht mit. Pig kritisiert zudem, dass vertrauliche Informationen aus Sitzungen des Stiftungsrats an Medien gelangen würden und er mit dem nordkoreanischen Diktator verglichen worden sei. "Das werde ich natürlich jetzt zum Anlass nehmen, all diese Dinge auch rechtlich prüfen zu lassen."

Mit Silvia Lieb holt Pig zudem eine externe Managerin für den Finanzbereich zum ORF. Beide kommen nicht aus dem öffentlich-rechtlichen Sender, verfügen laut Pig aber über Erfahrung in Medienunternehmen. Angesichts der bevorstehenden Aufgaben gibt er das Tempo vor: "Wir müssen jetzt halt doppelt so schnell arbeiten."

{title && {title} } red, {title && {title} } 13.08.2026, 20:15
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