Die Temperaturen steigen, die Sonne zeigt sich öfter – und mit ihr wächst die Lust auf leichtere Kleidung. Auch bei den Schuhen wird es luftiger: Sandalen, Peeptoes und Mules feiern ihr Comeback. Doch was draußen nach Sommer schreit, sorgt im Büro schnell für Stirnrunzeln. Denn wenn es um offene Schuhe im Job geht, gelten oft andere Maßstäbe – vor allem für Männer.
Was in der Freizeit selbstverständlich ist, kann im Berufsalltag schnell fehl am Platz wirken: "Offene Schuhe lenken schnell vom Wesentlichen ab", verrät Milena Kyburz, Stylistin und Farbcoach, gegenüber "20 Minuten". Geschlossene oder halbgeschlossene Modelle wirken hingegen strukturierter und professioneller. Der Grund: "Sie vermitteln Sicherheit, Struktur und lenken den Blick dorthin, wo er hingehört: auf uns, unsere Ausstrahlung und unsere Leistung", so Kyburz.
Wenn es um Schuhe im Berufsalltag geht, haben Frauen meist mehr Spielraum. Offene Modelle sind bei ihnen eher akzeptiert als bei Männern: "Frauen hatten über Jahrzehnte vielfältigere Optionen – von Pumps über Ballerinas bis zu Sandalen", erklärt die Stylistin. Für Männer gab es dagegen in vielen Branchen lange klare Vorgaben: klassische, geschlossene Schuhe wie Loafer oder Oxfords.
Auch die Wahrnehmung spielt eine Rolle: "Gesellschaftlich wird weibliche Kleidung stärker auf Stil, Schönheit und ästhetische Wirkung beurteilt. Frauen dürfen oder müssen ihr Outfit insgesamt als Teil ihrer Persönlichkeit inszenieren – inklusive Schuhe." Bei Frauen gelten offene Modelle daher eher als modisches Statement, während sie bei Männern schnell als zu leger oder unpassend angesehen werden.
Trotzdem gibt es auch für Frauen im Job gewisse Grenzen. Universelle Vorschriften gibt es zwar nicht – entscheidend bleibt die Unternehmenskultur: "In konservativen Branchen, wie Banken oder Kanzleien, sind offene Schuhe oft nur ganz dezent erlaubt. Geschlossene Schuhe sind hier die sicherere Wahl." In kreativen oder modernen Büros sind Peeptoes oder hochwertige Sandalen eher akzeptiert.
Kyburz sagt: "Offene Schuhe sind grundsätzlich erlaubt, wenn sie hochwertig und gepflegt wirken." Besonders gut machen sich Slingbacks, elegante Ballerinas oder dezente Sandalen in neutralen Farben. "Sie wirken frisch, modern und dennoch professionell."
Die Grenze zur Unprofessionalität ist allerdings schnell überschritten: "Flipflops, sehr sportliche Sandalen, extrem offene Modelle oder Schuhe mit abgenutzten Details lenken ab", betont sie im "20 Minuten"-Interview. Ist der Fuß sichtbar, wandert der Blick automatisch dorthin – auf Zehen, Nägel und Lack. "Leider ist dieser erste Eindruck oft nicht optimal: abgeplatzter Nagellack, unsaubere Nägel oder einfach zu viel Haut." Wer nicht auf Pflege achtet, hinterlässt rasch einen schlechten Gesamteindruck.
Kyburz rät klar ab von zu lässigen oder verspielten Modellen wie Flipflops, sehr offenen Sandalen oder stark verzierten Schuhen: "Dies, weil sie Assoziationen mit Freizeit wecken – Bereiche, die im Business nichts zu suchen haben."
Auch abgetragene oder schlecht sitzende Schuhe sind ein absolutes Tabu. Sie können selbst das schönste Outfit ruinieren. "Sie senden subtil die Botschaft, dass nicht auf die Details geachtet wurde – und genau diese Details sind im Business entscheidend."