Die Ermittlungen rund um den Rücktritt des ehemaligen ORF-Generaldirektors Roland Weißmann bringen immer neue Details ans Licht. Im Mittelpunkt steht mittlerweile jene ORF-Mitarbeiterin, deren Vorwürfe der sexuellen Belästigung zum Abgang Weißmanns führten. Gegen sie und ihren Anwalt wird wegen des Verdachts der Erpressung ermittelt. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Bereits Mitte April hatte der "Falter" ausführlich über den Fall berichtet und aus Chatverläufen aus den Jahren 2020 bis 2022 zitiert. Darin wird auch die ORF-Mitarbeiterin mit den Worten wiedergegeben: "Ich hatte große Angst vor dem mächtigen Mann, der mir beispielsweise im Juni 2022 deutlich machte, was er alles tun könnte. Und große Sorgen, meinen Kredit nicht bedienen zu können, wenn ich meinen Job verlieren würde."
Im Zuge der Ermittlungen stellten Polizisten bereits zwei Mobiltelefone der Frau sicher, um die darauf gespeicherten Nachrichten auszuwerten.
Wie die "Kronen Zeitung" nun berichtet, suchten Beamte des Landeskriminalamts auch ein romantisches Lokal vor den Toren Wiens auf. Dort wollten die Ermittler offenbar überprüfen, ob ein von Weißmann geschildertes einvernehmliches Treffen mit der Frau tatsächlich stattgefunden hat.
Dabei befragten die Ermittler den Wirt des Lokals, der sich laut Bericht noch gut an den Besuch im Oktober 2022 erinnern konnte. Demnach habe sich die ORF-Mitarbeiterin zuvor für eine nebenberufliche Tätigkeit in dem Restaurant interessiert. Laut einem Amtsvermerk habe sie "glaublich in einem solchen Telefonat nebenbei an[ge]merkt, dass sie mit dem Generaldirektor vom ORF vorbeikommen könnte".
Zu dem gemeinsamen Besuch kam es schließlich. Der Wirt setzte sich laut Bericht der Tageszeitung auf Einladung der Frau für einige Zeit zu den beiden an den Tisch. Seinen Beobachtungen zufolge hätten sie zwar nicht wie ein Liebespaar gewirkt. Die Frau habe jedoch "keinesfalls unglücklich oder eingeschüchtert, eher im Gegenteil" ausgesehen.
Nach Angaben der "Krone" soll das Treffen kurz nach der letzten Dick-Pic-Nachricht von Weißmann an die Mitarbeiterin stattgefunden haben. Außerdem soll es weniger als drei Wochen vor jenem Gespräch gewesen sein, das die Frau laut "Falter" "aus Angst" mitgeschnitten habe.