Tierisch gefräßig

Raupen-Invasion! Millionen Tiere fressen alles kahl

Was derzeit in der Schweiz passiert, klingt wie aus einem Gruselfilm: Gefräßige Raupen überziehen ganze Landstriche und hinterlassen Verwüstung.
20.10.2026, 10:04
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Es kriecht, es krabbelt und es frisst! Im Schweizer Kanton St. Gallen spielt sich derzeit ein außergewöhnliches Naturschauspiel ab, das für die Betroffenen allerdings alles andere als faszinierend ist. Millionen Raupen der sogenannten Einpunkt-Graseule haben in der Region Sargans bereits rund 50 Hektar Wiesen kahl gefressen – das entspricht etwa 70 Fußballfeldern! Ganze Grünflächen gleichen inzwischen braunen Äckern. Selbst vor Haustüren und Fassaden machen die kleinen Vielfraße nicht halt. "Es ist wie in einem Horrorfilm", schildert Landwirt Thomas Willi gegenüber dem Schweizer Fernsehen SRF.

Millionen Fressmaschinen

Hinter der unglaublichen Invasion steckt ein eigentlich unscheinbarer Nachtfalter: die Einpunkt-Graseule (Mythimna unipuncta). Ihre Raupen sind nur wenige Zentimeter lang, entwickeln in riesigen Mengen aber einen nahezu unstillbaren Appetit auf Gräser. Begünstigt durch das warme, trockene Wetter konnten sich die Tiere explosionsartig vermehren. Vermutlich wurden die Falter zuvor durch einen Föhnsturm aus dem südlichen Tessin in die Region getragen. Besonders dramatisch: Ein Weibchen kann mehr als 1.000 Eier legen!

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So ein kleiner Falter sorgt für mehrere tausend Eier.
iStock©Budi danTim

Wie bedrückend die Situation geworden ist, zeigt der Bericht einer Familie aus Sargans. Die Bewohner mussten unzählige Raupen von ihren Hauswänden und vor der Eingangstür entfernen. Barfußgehen war praktisch unmöglich, und zeitweise blieb nur noch der Hintereingang als Fluchtweg vor der krabbelnden Masse. Für die Landwirtschaft hat die Invasion ebenfalls schwerwiegende Folgen: Das dringend benötigte Herbstfutter für die Nutztiere fehlt. Ein Milchviehhalter aus Bad Ragaz muss nach Schäden auf 15 Hektar sogar zusätzliches Futter zukaufen.

Kommt die Invasion auch nach Österreich?

Die Schweizer Behörden sprechen von einem bisher beispiellosen Ereignis und schließen eine weitere Ausbreitung Richtung Norden nicht aus. Ob ähnliche Massenvermehrungen künftig auch Österreich treffen könnten, lässt sich derzeit allerdings nicht vorhersagen. Immerhin gibt es einen natürlichen Gegenspieler: die Kälte. Die wärmeliebenden Raupen überstehen niedrige Temperaturen nicht, weshalb die Zahl der Tiere mit dem Herbstwetter zurückgehen dürfte. Dennoch beobachten Experten die Entwicklung mit Sorge, denn schon im kommenden Jahr könnte sich das Schauspiel unter günstigen Bedingungen wiederholen.

Aus Sicht des Tierschutzes ist dabei eines wichtig: Nicht jede Raupe ist automatisch ein Schädling. Nachtfalter und ihre Larven sind wichtige Bestandteile unserer Ökosysteme und dienen zahlreichen anderen Tieren als Nahrung. Problematisch wird es erst, wenn sich eine Art derart massenhaft vermehrt, dass ganze Wiesen verschwinden. Statt wahllos Insektengifte einzusetzen, sollten deshalb gezielte, möglichst naturverträgliche Lösungen im Vordergrund stehen.

red, 20.10.2026, 10:04
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