"Sie litt nicht" – Mutter weiß nun, wie Leonie (13) starb

Leonie: Hier auf einem Schiff am Mondsee (Foto von Mutter ausgesucht und freigegeben)
Leonie: Hier auf einem Schiff am Mondsee (Foto von Mutter ausgesucht und freigegeben)privat
Der Schmerz wird bleiben, tröstlich jedoch für die Angehörigen der getöteten Leonie: "Sie musste nicht leiden." Die Familie will jetzt weiterkämpfen.

Am Dienstag bekam Mutter Melanie P. (40) einige quälende Fragen von der Polizei beantwortet: "Die Gewissheit, dass meine liebste Tochter nichts mitbekam und nicht leiden musste, gibt der ganzen Familie jetzt Kraft für den Kampf für Leonie. Um weitermachen zu können, in ihrem Sinne …"

"Mutter sehr stark"

Auch Opferanwalt Florian Höllwarth zeigte sich am Dienstag beeindruckt von den Eltern: "Ich ziehe meinen Hut vor der Mutter, ich hätte nicht gedacht, dass sie so stark ist." Der Advokat zieht sogar eine Amtshaftungsklagein Erwägung: "Denn die Tat wäre womöglich vermeidbar gewesen."

Wie berichtet, dürften mehrere Faktoren zum furchtbaren Tod der 13-Jährigen geführt haben - die Polizei führt vier Verdächtige (16, 18, 22, 23) an, die sich großteils gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben.

Laut "Heute"-Recherchen war Leonie am Tatabend in Tulln an der Donau (NÖ) mit einer Freundin (15) unterwegs gewesen. Um 23.30 Uhr soll die 15-Jährige alleine nach Hause gegangen sein. Leonie ließ sich noch von einem flüchtigen Bekannten (27) nach Wien chauffieren. Der 27-Jährige brachte sie mit seinem Wagen zum Donaukanal, Leonie traf daraufhin Bekannte und ließ den 27-Jährigen einfach stehen. Laut dem jungen Mann sagte Leonie nur, dass sie noch etwas zu erledigen habe. Der Lenker wartete zwar noch rund 1,5 Stunden, fuhr dann aber alleine zurück in die Messestadt an der Donau.

Schließlich wurde Leonie von einem Freund (15) noch in Begleitung von zwei jungen Männern gegen 2 Uhr morgens am Donaukanal gesehen. Mit den beiden Afghanen fuhr Leonie dann mit der U1 nach Kagran – in die Wohnung eines 18-Jährigen.

Überdosis und Vergewaltigung

Ebendort, in der Erzherzog-Karl-Straße in der Wiener Donaustadt, soll ihr eine Überdosis Ecstasy ins Glas gemischt worden sein. Dann soll das Mädchen mehrfach vergewaltigt worden sein. "Heute" veröffentlicht die Details des Todeskampfes bewusst nicht. Nur so viel: Der massiven Überdosierung und dem Gewicht der Männer war Leonies Körper nicht gewachsen – schließlich hörte die bereits weggetretene 13-Jährige auf zu atmen.

10 XTC-Tabletten

Die Verdächtigen gerieten in Panik, gaben dem Mädchen Milch und Joghurt, stellten die Schülerin unter die Dusche. Verzweifelt riefen die Beschuldigten noch den 23-Jährigen, fragten nach Rat. Dem Dealer wurde die Anzahl der XTC-Tabletten (rund zehn Stück) genannt, der 23-Jährige meinte nur: "Ruft die Rettung." Doch vermutlich auch der Notarzt hätte für Leonie nichts mehr tun können.

Die Schülerin wurde dann von den panischen Männern auf einem Grünstreifen platziert, der 16-Jährige rief die Rettung und spielte anfangs noch den Unschuldigen. Eine Zeugin begann mit der Reanimation, die rund zehn Minuten später erfolglos abgebrochen werden musste.

Verdächtiger plauderte

Noch am Wochenende rückte die Polizei mit Spürhunden an, die Hunde führten die Beamten vom Baum zur Wohnung. Nur: Zu diesem Zeitpunkt war die Gemeindebau-Unterkunft noch nicht Mittelpunkt der Erhebungen. Der Durchbruch gelang den Ermittlern erst, nachdem sich ein Verdächtiger einem Bekannten anvertraut hatte. Dieser Mann, ein Asylwerber, gab sein Insiderwissen an die Polizei weiter und trug somit maßgeblich zur Klärung bei. In der Folge wurden ein 16-Jähriger (er gab später an, der fixe Freund von Leonie gewesen zu sein) und ein 18-Jähriger festgenommen, einen Tag später auch der 23-Jährige. Nur einem Verdächtigen (22) gelang die Flucht, eine internationale Fahndung läuft – bisher allerdings erfolglos. Das Trio (16, 18, 23) sitzt indes in der Justizanstalt Josefstadt in U-Haft.

Laut seinen eigenen Aussagen war der jüngste Inhaftierte (Anwalt Peter Philipp), der erst im April nach Österreich gekommen war, mit Leonie liiert. Nur: Leonie hatte kurz vor dem Verbrechen noch einen österreichischen Freund gehabt. Diese Beziehung jedoch hatte die Mutter beendet, denn der Bursche war mit 18 Jahren laut der Frau zu alt für Leonie. 

"Zu naiv"

Das Mädchen galt laut ihren Verwandten als Tierfreundin und Rebellin. Seit 1,5 Jahren war das Jugendamt informiert – Psychologin Mag. Sonja Stöckl kümmerte sich aufopfernd um die Familie: "Dabei wurden auch die Problematik und Gefahren älterer Freunde besprochen. Leonie war – und das meine ich überhaupt nicht böse – einfach zu gutgläubig und zu naiv." Denn offenbar fand Leonie Gefallen am Umgang mit älteren, teils fragwürdigen Personen, schoss alle Warnungen von Psychologin und Mutter in den Wind.

Die Polizei jedenfalls ermittelt wegen Vergewaltigung mit Todesfolge. Die Erhebungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. "Denn in so einem Fall können und dürfen wir uns keinen Fehler erlauben", so ein Ermittler. Daher wird auch die Leiche von Leonie vermutlich erst in der nächsten oder übernächsten Woche freigegeben. Und: Es gilt für alle Verdächtigen die Unschuldsvermutung. 

Weißer Sarg

Die Eltern haben am heutigen Mittwoch zumindest mal einen Ersttermin beim Bestatter. "Wir wollen Leonie in einem weißen Sarg mit weißen und roten Rosen verabschieden, dann wird sie verbrannt und die Urne kommt zu uns nach Hause", so die Mutter.

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