Leistbare Energie für alle hat die Koalition weiter im Fokus. Nach dem neuen Stromgesetz, das seit Anfang des Jahres schrittweise umgesetzt wird, und Maßnahmen wie der Senkung der Elektrizitätsabgabe seit 1. Jänner sollen nächste Schritte folgen.
Die Regierung nimmt hier mehrheitlich in öffentlicher Hand stehende Energieanbieter in die Pflicht, begrüßte ausdrücklich die Ankündigung des Staatsunternehmens Verbunds, ab März einen Österreich-Tarif für Haushalte mit einem Strompreis (netto) von 9,5 Cent je Kilowattstunde einzuführen. Hinzu kommen auf der Rechnung dann noch Abgaben und die je nach Bundesland unterschiedlichen Netzgebühren.
Das bedeutet eine Preissenkung um ein Drittel; ein Durchschnittshaushalt erspart sich im Jahr etwa 200 Euro, rechnete Verbund-Chef Michael Strugl vor.
Der Verbund wird in den nächsten Wochen seine rund 440.000 Bestandskunden anschreiben und um Zustimmung zum Wechsel in den neuen Österreich-Tarif ersuchen. Auch Neukunden können sich dafür anmelden. Voraussichtlich werden die Verträge mit einjähriger Bindung sein, heißt es.
Die Regierungsspitze fordert, dass es andere Anbieter dem Verbund gleichtun und mit ihren Stromtarifen runtergehen. "Der Österreich-Tarif des Verbund sorgt für deutlich niedrigere Energiepreise und stärkt zugleich den Wettbewerb am Strommarkt. Genau diesen Anspruch haben wir auch an alle anderen Energieversorger mit öffentlicher Beteiligung", erklärte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP).
Nicht zuletzt werden die Energieversorger mit dem neuen Stromgesetz verpflichtet, fallende Strompreise an den Börsen binnen sechs Monaten an die Endkunden weiterzugeben ("Preis-runter-Garantie").
Auch bei der Vorstellung der Ergebnisse der Regierungsklausur hoben Stocker, Vize Babler (SPÖ) und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) den neuen Verbund-Tarif hervor und appellierten an die weiteren öffentlichen Stromanbieter.
Auf "Heute"-Anfrage zeigt sich, dass es bei einigen Landesenergieversorgern bereits im Vorjahr in manchen Tarifen Preissenkungen auf das vom Verbund angekündigte Niveau oder sogar darunter gab.
So heißt es seitens der Energie AG Oberösterreich: "Die Strompreise der Energie AG liegen etwa im Bereich des Verbund-Angebots – unser Angebot Feel Good Energie für die Gen Z (alle bis 28) ist etwas günstiger, bei Ökostrom Loyal liegt der Jahresstrompreis um max. 30 Euro über dem neuen Preisangebot des Verbunds bei einem durchschnittlichen Verbrauch."
Der niederösterreichische Landesenergieversorger EVN betont: "Die EVN hat bereits im Jänner den Preis um 12 Prozent gesenkt. Wir geben auch künftig Preisvorteile an unsere Kundinnen und Kunden weiter." Bei der EVN-Diskonttochter Switch liege der Preis bereits seit Monaten sogar bei nur 8,45 Cent/kWh netto.
Seitens der Wien Energie heißt es gegenüber "Heute": "Die Strompreise von Wien Energie befinden sich bereits auf einem günstigen Niveau. Schon im Sommer 2025 hat Wien Energie ein Strom-Angebot mit einem Verbrauchspreis von 9,9 Cent pro Kilowattstunde netto und einjähriger Preisgarantie angeboten, das mehrere hunderttausende Kunden in Anspruch genommen haben. Die Preise von Wien Energie liegen also bereits seit mehreren Monaten auf dem Niveau des nun angekündigten "Österreich-Tarifs".
Die Regierung zielt jedenfalls darauf ab, den Wettbewerb bei österreichweiten Tarifen und die Wechselbereitschaft der Kunden anzuheizen, heißt es aus der Koalition. Um die Weichen für dauerhaft günstige Strompreise zu stellen – auch durch konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien und damit des Angebots.
Eine deutliche Ersparnis von rund 300 Euro pro Jahr beim Strom gibt es ab April für einkommensschwache Haushalte mit dem Sozialtarif. Dieser im neuen Stromgesetz fixierte Tarif sieht einen Preis von sechs Cent/kWh vor. Etwa 280.000 Haushalte werden davon automatisch profitieren.