Ausgerechnet jener Stromtarif, den die Bundesregierung Anfang des Jahres als Beitrag gegen die Teuerung präsentiert hatte, wird jetzt teurer.
Der Verbund passt den Preis für seinen sogenannten "Österreich-Tarif" mit 24. September für Neuabschlüsse an.Wer den Tarif neu abschließt, zahlt im ersten Jahr 10 Cent netto beziehungsweise 12 Cent brutto pro Kilowattstunde. Dafür gibt es eine Preisgarantie und eine Vertragsbindung von zwölf Monaten.
Bisher lag der Einstiegspreis bei 9,5 Cent netto beziehungsweise 11,4 Cent brutto. Der Arbeitspreis steigt für neue Kunden damit um rund 5,3 Prozent.
Bestehende Kunden sind von der Änderung nicht betroffen. Wer den Österreich-Tarif bereits abgeschlossen hat, behält seine vereinbarten Konditionen.
Genauer hinschauen sollten Kunden beim Preis nach Ablauf des ersten Jahres. Die 10 Cent netto sind nämlich ein rabattierter Preis. Regulär verrechnet der Verbund 15 Cent netto beziehungsweise 18 Cent brutto pro Kilowattstunde. Im ersten Jahr werden davon 5 Cent netto Rabatt abgezogen.
Nach zwölf Monaten fällt dieser Rabatt weg. Der reine Arbeitspreis steigt damit von 12 auf 18 Cent brutto pro Kilowattstunde. Dazu kommt ein Grundpreis von 5,04 Euro brutto pro Monat.
Als Grund für die neuen Konditionen nennt der Verbund die angespannte Lage an den internationalen Energiemärkten und insbesondere die geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten – diese würden Preiserhöhungen notwendig machen.
Fakt ist, dass der Österreich-Tarif auch mit dem neuen, leicht erhöhten Preis zu den preislich besten Angeboten am heimischen Strommarkt zählt.
Brisant ist die Preiserhöhung auch politisch. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) hatten den Österreich-Tarif im Jänner als Teil der Bemühungen um niedrigere Strompreise vorgestellt. Der mehrheitlich staatliche Verbund sollte dabei laut Regierung auch mehr Wettbewerb am Strommarkt auslösen.
Damals war ein Arbeitspreis von "unter 10 Cent netto" angekündigt worden. Im Februar folgten die konkreten Konditionen: 9,5 Cent netto pro Kilowattstunde im ersten Jahr. Danach waren ursprünglich 12,5 Cent netto vorgesehen.
Genau diese Konstruktion sorgte schon damals für Kritik. Das Momentum Institut bemängelte, dass der besonders günstige Preis nur zwölf Monate gelte und bezeichnete den Tarif deshalb als kurzfristige Rabattaktion.
Die von der Regierung als politischer Erfolg verkauften "unter 10 Cent netto" sind jedenfalls ab sofort Geschichte. Sie wurden von der Realität am Markt eingeholt.
Mehr Bewegung am Markt hat der Österreich-Tarif aber jedenfalls ausgelöst. Auch andere Versorger senkten 2026 ihre Preise. Die EVN führte mit 1. April einen neuen Tarif mit durchschnittlich rund 10 Cent netto ein. Die Energie Steiermark senkte ihre Strompreise mit 1. Juni ebenfalls deutlich.