Massive Mängel aufgedeckt

Tote Häftlinge – brisanter Bericht erschüttert Justiz

Interne Berichte decken schwere Mängel im Strafvollzug auf. Nach zwei Todesfällen geraten Betreuung und Einsatzabläufe massiv in Kritik.
Lara Heisinger
18.03.2026, 15:15
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Schwere Vorwürfe erschüttern den österreichischen Strafvollzug: Nach zwei Todesfällen in Haft zeigen interne Berichte deutliche Mängel bei Betreuung und Abläufen auf.

Im Fokus steht unter anderem die Justizanstalt Wien-Josefstadt. Dort wird die Versorgung von Insassen in einem Bericht als "nicht ausreichend" bewertet. Besonders brisant: Ein 23-jähriger Häftling nahm sich im Mai 2025 das Leben – obwohl seine schwere psychische Erkrankung und eine erhöhte Suizidgefahr bekannt waren.

"Nicht ausreichend" untergebracht

Der junge Mann war nach Tätlichkeiten gegen seine Mutter und Randalen in einem Einkaufszentrum festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht worden. Laut Bericht sei er ein "Hochrisikofall für Suizid" gewesen und dennoch "nicht ausreichend" untergebracht worden. Hinweise kamen nicht nur von Ärzten, sondern auch von den Eltern.

Trotzdem habe es in der Justizanstalt "keinen dokumentierten Kontakt zum psychologischen Dienst" gegeben – für den beteiligten Experten "nicht nachvollziehbar". Statt gezielter Betreuung blieb der Mann in einem Mehrpersonen-Haftraum.

Wie der "ORF" berichtet, war das aus Sicht von Psychiater Patrick Frottier klar zu wenig: "Die situative Bedingung der Unterbringung (…) war seiner psychischen Störung nicht entsprechend." Sein Fazit fällt deutlich aus: "Die Tatsache der Vollendung des Suizids trotz des Wissens um die psychische Störung macht deutlich, dass die Versorgung schwer psychisch kranker Menschen in der JA Wien-Josefstadt nicht ausreichend ist".

Konsequenzen gefordert

Der Experte fordert Konsequenzen. Künftig müssten Hinweise von Angehörigen und externen Fachleuten stärker berücksichtigt werden. Auch solle hinterfragt werden, ob psychisch auffällige Häftlinge ohne intensive Betreuung überhaupt in normalen Abteilungen untergebracht werden sollten. Zudem empfiehlt er, das Suizidpräventionssystem VISCI bei allen Insassen direkt nach der Einlieferung anzuwenden.

Scharfe Kritik kommt auch von der Volksanwaltschaft. "Der kolportierte interne Bericht des Justizministeriums bestätigt, was wir als Volksanwaltschaft schon lange sagen: Insassinnen und Insassen mit akuten schweren psychischen Erkrankungen gehören nicht ins Gefängnis, sondern in psychiatrische Betreuung in ein Spital", erklärte Volksanwältin Gabriela Schwarz (ÖVP). Ihr Befund sei "ernüchternd" – es gebe schlicht zu wenig Fachpersonal für eine ausreichende Betreuung.

Ermittlung gegen zwölf Justizbeamte

Auch ein zweiter Fall sorgt für Aufsehen. Ein psychisch kranker Häftling starb am 3. Dezember 2025 in der Justizanstalt Hirtenberg an den Folgen einer Amtshandlung. Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt ermittelt mittlerweile gegen zwölf Justizwachebeamte – wegen des Verdachts der Körperverletzung mit tödlichem Ausgang unter Ausnützung einer Amtsstellung.

Mängel bei Einsatz und Haftbedingungen

Laut einem internen Bericht soll es bei dem Einsatz massive Mängel gegeben haben. So habe es "keinen strukturierten Einsatzmodus" und "keine übergeordnete Steuerung" gegeben. Verstärkung sei hektisch "auf Zuruf" organisiert worden. Zudem sei die Erkrankung des Insassen unzureichend dokumentiert gewesen, es habe "falsche Weichenstellungen" gegeben.

Auch die Haftbedingungen selbst geraten in die Kritik. Besonders gesicherte Hafträume – etwa mit Betonbetten – stehen seit Jahren im Fokus. Die Volksanwaltschaft verweist darauf, bereits seit 2020 wiederholt auf Mängel hingewiesen zu haben.

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