Der Teller steht kaum auf dem Tisch, da wandert die Hand schon zum Salzstreuer. Einmal kräftig schütteln, vielleicht noch ein zweites Mal – und erst dann wird überhaupt gekostet. Für viele Menschen gehört das Nachsalzen ganz selbstverständlich zum Essen dazu, doch diese kleine Gewohnheit könnte mehr über die eigene Gesundheit verraten, als bisher gedacht.
Eine große Untersuchung aus China sorgt nun für Aufsehen: Forschende der Huazhong-Universität in Wuhan haben einen Zusammenhang zwischen häufigem Nachsalzen und psychischen Erkrankungen festgestellt. Wer bereits zubereitete Speisen immer zusätzlich salzt, hatte demnach ein deutlich höheres Risiko, später an einer Depression zu erkranken.
Für die im "Journal of Affective Disorders" veröffentlichte Studie wertete das Forschungsteam Daten von insgesamt 439.412 Personen aus. Die Teilnehmer mussten angeben, wie häufig sie fertige Speisen zusätzlich salzen – von "nie oder selten" über "manchmal" und "meistens" bis hin zu "immer".
Danach wurden die Probanden im Durchschnitt 12,7 Jahre lang beobachtet. In diesem Zeitraum registrierten die Wissenschaftler 18.678 neue Fälle von Depressionen sowie 22.017 neu diagnostizierte Angststörungen. Dabei zeigte sich ein auffälliges Muster: Je häufiger der Salzstreuer zum Einsatz kam, desto höher war auch das Risiko.
Wer sein Essen "manchmal" zusätzlich salzte, hatte gegenüber Menschen, die dies nie oder nur selten machten, ein um acht Prozent erhöhtes Depressionsrisiko. Bei Personen, die "meistens" nachsalzten, waren es bereits 16 Prozent.
Besonders deutlich fiel der Unterschied bei jenen aus, die angaben, ihr Essen "immer" nachzusalzen: Ihr Risiko für Depressionen lag um 37 Prozent höher. Auch Angststörungen traten häufiger auf – je nach Salzgewohnheit war das Risiko um rund 5,5 bis 27 Prozent erhöht. Studienleiter Jixuan Ma sieht darin Hinweise auf einen "dosisabhängigen Zusammenhang": Je häufiger nachgesalzen wurde, desto stärker fiel auch der statistische Effekt aus.
So eindeutig lässt sich diese Frage allerdings nicht beantworten. Die Untersuchung ist eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt damit einen Zusammenhang, beweist aber nicht, dass das Salz selbst Depressionen oder Angststörungen verursacht.
Hinzu kommt: Die Forschenden erfassten nicht exakt, wie viele Gramm Salz die Teilnehmer tatsächlich pro Tag konsumierten. Untersucht wurde lediglich, wie häufig sie bereits zubereitete Speisen zusätzlich salzten. Auch andere Lebensgewohnheiten könnten daher eine Rolle spielen.
Spannend ist ein weiterer Befund: Menschen, die häufiger nachsalzten, zeigten Anzeichen eines schnelleren biologischen Alterns. Dieses biologische Alter soll widerspiegeln, wie stark der Körper tatsächlich gealtert ist – unabhängig davon, welches Geburtsjahr im Pass steht.
Eine mögliche Erklärung sehen die Forscher in oxidativem Stress und Veränderungen des Immunsystems. Salz könnte solche Prozesse begünstigen, dadurch die biologische Alterung beschleunigen und auf diesem Weg möglicherweise auch das Risiko psychischer Erkrankungen beeinflussen.
Unabhängig davon, wie sich der Zusammenhang mit der Psyche künftig erklären lässt, spricht auch aus anderen Gründen einiges dafür, beim Salzstreuer sparsamer zu sein. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt Erwachsenen höchstens fünf Gramm Salz pro Tag.