Einmal einseifen reicht nicht mehr? Glaubt man einem Beauty-Trend auf Instagram und TikTok, sollten wir unter der Dusche gleich zweimal zum Duschgel greifen. Erst soll der Körper besonders gründlich gereinigt werden, danach kommt der gute Duft. Klingt nach Extra-Sauberkeit – doch ausgerechnet damit könnte man seiner Haut zu viel zumuten.
Für Aufmerksamkeit sorgte unter anderem Content Creatorin Leoni. Ihren knapp 250.000 Followern empfiehlt sie, zunächst ein pH-hautneutrales, seifenfreies Produkt und anschließend ein duftendes Duschgel zu verwenden. Der erste Durchgang soll jene Bakterien entfernen, die für unangenehmen Schweißgeruch verantwortlich seien.
Die kurze Antwort: Für die normale Körperreinigung gibt es keinen Grund, grundsätzlich zwei verschiedene Duschgele hintereinander zu verwenden. Darauf weist auch die Drogistin und Skincare-Bloggerin Shenja Cerzo hin. Duschgele enthalten Tenside, die Schweiß, Talg und Schmutz von der Haut lösen. Mehr Produkt bedeutet deshalb nicht automatisch mehr Hygiene.
Im Gegenteil: Wer seine Haut immer wieder intensiv mit Reinigungsprodukten behandelt, kann sie reizen. Dermatologen empfehlen bei trockener und empfindlicher Haut milde, möglichst parfumfreie Reiniger und raten dazu, nur so viel davon zu verwenden, wie tatsächlich nötig ist.
Unsere Haut ist keine schmutzige Oberfläche, die möglichst stark entfettet werden muss. Ihre natürliche Barriere hält Feuchtigkeit im Körper und schützt gleichzeitig vor Reizstoffen und Allergenen. Wird diese Schutzschicht strapaziert, kann die Haut trocken werden, spannen, jucken oder gereizt reagieren. Gerade bei Menschen mit empfindlicher oder zu Ekzemen neigender Haut können irritierende Produkte Beschwerden zusätzlich fördern.
Der vermeintliche Hygiene-Boost kann damit genau das Gegenteil dessen bewirken, was man sich von einer Pflegeroutine eigentlich erwartet.
Bevor also der nächste virale Hygiene-Hack ins Badezimmer einzieht, darf man sich ruhig fragen: Braucht meine Haut das wirklich? Beim Duschen ist mehr eben nicht automatisch besser.