Hass, Drohungen und Einschüchterung im Internet nehmen weltweit zu – besonders Frauen geraten immer öfter ins Visier. Im Staatssekretariat für Verfassungsschutz fand deshalb am Dienstag, dem 23. Juni 2026, ein Round Table zu extremistischem Frauenhass statt.
Im Zentrum standen neue Formen digitaler Gewalt wie Cyberstalking, Identitätsdiebstahl und frauenfeindliche Radikalisierung in sozialen Netzwerken. Besonders im Fokus: die sogenannte "Manosphere". In diesen Online-Netzwerken werden frauenfeindliche Weltbilder verbreitet, Gleichberechtigung infrage gestellt und Gewalt gegen Frauen verharmlost.
„Wir bemerken immer mehr eine neue Form von Hass und Gewalt, nämlich Frauenhass im Netz. Meines Erachtens hat das inzwischen Ausmaße erreicht, dass man von Extremismus sprechen kann.“Jörg LeichtfriedSPÖ-Staatssekretär im Innenministerium
Die Behörden sehen darin längst kein Randphänomen mehr. Frauenfeindlichkeit überschneidet sich zunehmend mit extremistischen Ideologien und Radikalisierungsprozessen. Für den Staatsschutz wird das Thema damit auch zu einer Frage der inneren Sicherheit.
Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) findet deutliche Worte: "Diese Erscheinungen von zunehmender Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen im Netz müssen insbesondere im Zusammenhang mit Extremismus als demokratiegefährdende Frauenfeindlichkeit rigoros bekämpft werden."
Wer Frauenhass und extremistische Frauenfeindlichkeit verbreite und damit die Demokratie angreife, werde "die volle Härte des Rechtsstaats zu spüren bekommen", so Leichtfried weiter. Seine Ansage: "Null Toleranz bei demokratiegefährdender Frauenfeindlichkeit und Frauenhass."
Besonders betroffen sind Frauen in öffentlichen Funktionen. Gewalt- und Vergewaltigungsdrohungen sollen sie einschüchtern und aus der Öffentlichkeit drängen. Damit werde nicht nur die Sicherheit einzelner Frauen bedroht, sondern auch die demokratische Teilhabe.
"Wenn eine junge Frau sich überlegt, nicht in die Politik zu gehen, weil sie Shitstorms oder Gewaltandrohungen befürchtet, ist unser demokratisches System bedroht", erklärte Leichtfried bereits vor einigen Wochen im "Heute"-Interview.
Die Bundesregierung hat mit dem Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen bereits einen Schritt gesetzt. Nun sollen die Verbindungen zwischen Frauenfeindlichkeit und extremistischer Radikalisierung genauer analysiert und beobachtet werden.
Bei dem Arbeitsgespräch waren mehrere Einrichtungen aus Forschung, Zivilgesellschaft und Sicherheitsbehörden vertreten. Darunter das Bundesweite Netzwerk Offene Jugendarbeit, die Bundesstelle für Sektenfragen, der ÖGB-Frauenbereich, das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands, die Dokumentationsstelle Politischer Islam, das Institut für Konfliktforschung, Frauenberatungsstellen sowie die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN).
Es soll ein umfassendes Bedrohungsbild erarbeitet werden. Ziel ist, frauenfeindliche Radikalisierung früher zu erkennen und wirksame Maßnahmen dagegen zu entwickeln.