Hirnforscher verrät

In diesen 5 Momenten ist Nichtentscheiden oft klüger

Eine wichtige Entscheidung steht an? In fünf Situationen kann es besser sein, die Antwort noch ein wenig aufzuschieben.
Heute Life
15.09.2026, 20:56
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Die Kündigung abschicken, eine Beziehung beenden oder eine größere Anschaffung machen: Manche Entscheidungen können unser Leben nachhaltig verändern. Ausgerechnet in solchen Momenten wollen wir möglichst klar denken. Doch unser Gehirn spielt dabei nicht immer mit – und manchmal kann es tatsächlich klüger sein, eine Entscheidung erst einmal zu vertagen.

Hirnforscher Martin Korte erklärt im Interview mit "Brigitte.de", in welchen fünf Situationen Abwarten sinnvoll sein kann.

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Warum wir an einem Tag genau wissen, was wir wollen, während uns am nächsten schon Kleinigkeiten überfordern, hat auch mit unserem Gehirn zu tun. Vor allem der Stirnlappen spielt bei bewussten Entscheidungen eine wichtige Rolle: Er hilft uns dabei, Möglichkeiten abzuwägen, Konsequenzen vorauszudenken und kurzfristigen Versuchungen zu widerstehen. Seine Kapazitäten stehen uns allerdings nicht immer gleichermaßen zur Verfügung.

1. Wenn du gerade richtig wütend bist

Eine heftige Nachricht landet am Handy und am liebsten würdest du sofort antworten – dann kann etwas Abstand die bessere Strategie sein. Wie Korte erklärt, beanspruchen unangenehme Emotionen wie Angst, Wut oder Trauer Nervenzellen im Stirnlappen. Das Gehirn ist gleichzeitig damit beschäftigt, unsere Gefühle zu regulieren. Dafür werden Ressourcen benötigt, die bei komplexen Entscheidungen fehlen können.

Bei wichtigen Fragen kann es deshalb sinnvoll sein, zunächst wieder zur Ruhe zu kommen. Interessant: Bei positiven Emotionen beobachtet der Hirnforscher diesen Effekt nicht in gleicher Weise.

2. Wenn dir der Magen knurrt

Hungrig eine weitreichende Entscheidung treffen? Auch das ist laut Korte nicht unbedingt ideal. Bei einem niedrigen Glukosespiegel treffen gleich mehrere Faktoren aufeinander: Dem Körper steht weniger Energie zur Verfügung und Hunger kann zusätzlich die Stimmung drücken.

3. Wenn der Stress überhandnimmt

Eine Deadline jagt die nächste, das Handy klingelt und gleichzeitig wartet eine schwierige private Frage. Unter großem Stress kann unsere geistige Leistungsfähigkeit eingeschränkt sein. Ein Teil der verfügbaren Kapazität sei dann bereits damit beschäftigt, die Belastung zu verarbeiten, erläutert Korte. Gegenüber "Brigitte" verweist der Hirnforscher auf Untersuchungen, wonach Stress sogar messbare Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit haben kann.

4. Wenn du körperlich krank bist

Wer krank im Bett liegt, merkt meist schnell, dass nicht nur der Körper schlappmacht. Konzentration und komplexes Denken können ebenfalls schwerer fallen. Korte erklärt das damit, dass der Organismus seine Energie nun unter anderem für die Bekämpfung der Erkrankung benötigt. Für anspruchsvolle Denkprozesse stehen dadurch möglicherweise weniger Ressourcen zur Verfügung.

Den neuen Arbeitsvertrag zu unterschreiben oder eine große finanzielle Entscheidung zu treffen, muss daher womöglich nicht unbedingt zwischen Taschentüchern und Fieberthermometer passieren.

5. Wenn es spät am Abend ist

Morgens noch diszipliniert, abends landet plötzlich das Chipssackerl auf dem Sofa. Auch dafür liefert der Hirnforscher im "Brigitte.de"-Interview eine Erklärung. Nach einem langen Tag kann der Stirnlappen zunehmend ermüden. Besonders energieintensiv seien jene Nervenzellen, die langfristige Ziele unterstützen. Geht unsere Energie zur Neige, können Selbstkontrolle und bewusstes Abwägen entsprechend schwerer fallen.

Wer abends erschöpft vor einer folgenreichen Entscheidung sitzt, sollte sich deshalb fragen, ob sie tatsächlich noch heute fallen muss – oder ob eine Nacht darüber schlafen die bessere Wahl wäre.

Auch keine Entscheidung kann eine Entscheidung sein

Im Alltag müssen wir natürlich nicht jede Kleinigkeit bis ins letzte Detail analysieren. Vieles erledigt unser Gehirn intuitiv und auf Basis früherer Erfahrungen. Das spart Energie und funktioniert besonders gut bei vertrauten Situationen.

Anders kann es bei Entscheidungen aussehen, deren Konsequenzen uns lange begleiten. Stress, Hunger, Krankheit, starke negative Gefühle oder Erschöpfung schaffen laut Korte Bedingungen, unter denen sorgfältiges Abwägen schwieriger werden kann.

red,15.09.2026, 20:56