Experten enthüllen

Iran-Krieg eskaliert: Sieben schwere Fehler der USA

Die USA hatten den Iran-Krieg offenbar als kurzen Militärschlag geplant. Doch laut Experten führten mehrere Fehlentscheidungen zu einer Eskalation.
Newsdesk Heute
15.03.2026, 06:51
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Der Krieg gegen den Iran entwickelt sich offenbar anders als ursprünglich erwartet. Recherchen zufolge ging die Regierung von US-Präsident Donald Trump zunächst davon aus, dass der Konflikt schnell und kontrolliert verlaufen würde – doch inzwischen zeigen sich massive Probleme.

Als Trump Ende Februar die Operation "Epic Fury" anordnete und US-Bomben auf Ziele im Iran fielen, schien Washington von einem kurzen militärischen Einsatz auszugehen. Inzwischen prägen jedoch Raketenangriffe auf Israel und Golfstaaten, verminte Schifffahrtsrouten in der Straße von Hormus und Schäden in der Region das Bild. Gleichzeitig räumt die US-Regierung ein, keinen klaren Plan für die Zeit nach den ersten Angriffen gehabt zu haben.

Recherchen zufolge könnten mehrere Fehlentscheidungen zu dieser Situation beigetragen haben – von unklaren Kriegszielen über falsche Einschätzungen der Energiemärkte bis hin zu Personalentscheidungen in den Sicherheitsbehörden, berichtet "Focus".

1. Unklare Ziele des Kriegs

Ein zentrales Problem sei laut Kritikern, dass die Ziele der Militäraktion nicht eindeutig definiert sind. Aussagen von Trump, US-Verteidigungsminister Pete Hegseth und anderen Regierungsmitgliedern hätten sich mehrfach widersprochen.

Zunächst wurde als Ziel die vollständige Zerstörung des iranischen Atomprogramms genannt. Laut dem demokratischen Senator Chris Murphy wurde in einem Briefing für Kongressmitglieder jedoch erklärt, dass dies offenbar nicht erreichbar sei. Demnach wisse man, dass man die nuklearen Fähigkeiten "nicht durch Luftangriffe zerstören kann".

Auch ein möglicher Regimewechsel sei laut Murphy kein offizielles Ziel mehr. Stattdessen gehe es nun darum, iranische ballistische Raketen sowie Teile der Marine zu zerstören. Murphy schilderte die Diskussion im Briefing so: "Doch die Frage, die sie ratlos machte: Was passiert, wenn man die Bombardierungen einstellt und sie die Produktion wieder aufnehmen?" Die Antwort darauf lautete: "Mehr Bombardierungen".

2. Auswirkungen auf Energiemärkte unterschätzt

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Einschätzung möglicher Folgen für die globalen Energiemärkte. US-Energieminister Chris Wright hatte noch am 18. Februar erklärt, er erwarte keine größeren Störungen der Ölversorgung.

Auch andere Mitglieder der Regierung gingen laut Medienberichten davon aus, dass es nicht zu gravierenden Auswirkungen kommen würde. Laut Senator Murphy habe die Regierung jedoch "keinen Plan" gehabt, falls der Iran die Straße von Hormus blockiert.

Murphy erklärte dazu: "Ich kann nicht näher darauf eingehen, wie der Iran die Straße von Hormus blockiert, aber es genügt zu sagen, dass sie (die US-Regierung) im Moment nicht wissen, wie sie sie sicher wieder öffnen können."

3. Minenräumschiffe zuvor abgezogen

Zusätzliche Kritik gibt es an Entscheidungen der US-Marine. Im September 2025 wurden die letzten Minenräumschiffe der Avenger-Klasse aus Bahrain abgezogen, womit mehr als drei Jahrzehnte spezialisierter Minenräumoperationen im Persischen Golf endeten.

Die Schiffe sollten laut offiziellen Angaben durch modernere Systeme ersetzt werden. Die Einheiten USS Devastator, Dextrous, Gladiator und Sentry wurden im Jänner 2026 aus der Region abtransportiert – nur wenige Wochen bevor die USA den Iran angriffen. Laut US-Geheimdiensten hat der Iran inzwischen damit begonnen, Minen in der Straße von Hormus zu legen.

4. Harte Reaktion des Iran

Militärexperten zufolge wurde auch die Reaktion des Iran unterschätzt. In den ersten Tagen des Konflikts feuerte Teheran bereits Hunderte Raketen und Drohnen auf US-Stützpunkte sowie auf Ziele in Israel und mehreren Golfstaaten.

Neben militärischen Einrichtungen wurden auch Öl- und Gasanlagen in Bahrain und Saudi-Arabien getroffen. In Dubai kam es zu Bränden in Hotels.

Hegseth räumte auf einer Pressekonferenz ein: "Ich kann nicht sagen, dass wir unbedingt mit genau dieser Reaktion gerechnet haben, aber wir wussten, dass es möglich war." Zugleich bezeichnete er die Angriffe als "Beweis für die Verzweiflung des Regimes".

Karte: Angriffe USA und Israel sowie Gegenschläge durch Iran und Verbündete.
APA-Images / APA-Grafik

5. Entlassung von Iran-Experten

Kurz vor Beginn der Operation "Epic Fury" wurden zudem mehrere Experten für iranische Bedrohungen aus US-Behörden entlassen. FBI-Direktor Kash Patel entließ ein Dutzend Mitarbeiter der Spezialeinheit CI-12, die sich mit der Überwachung iranischer Aktivitäten befasst hatte.

Auch andere Strukturen wurden aufgelöst. Generalstaatsanwältin Pam Bondi löste an ihrem ersten Amtstag die FBI-"Foreign Influence Task Force" auf, die gegen verdeckte Einflussoperationen aus dem Ausland arbeitete.

6. Drohnen-Technologien abgelehnt

Weitere Kritik betrifft eine Entscheidung aus dem Jahr 2025. Laut dem US-Portal "Axios" lehnte die Trump-Regierung damals den Kauf ukrainischer Drohnentechnologie ab.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor erklärt, wie sich iranische Shahed-Drohnen relativ günstig abfangen lassen könnten. Ein Regierungsmitglied sagte dazu gegenüber "Axios": "Jemand hat sich entschieden, es nicht zu kaufen".

Inzwischen stehen die USA und ihre Verbündeten vor der Herausforderung, kostengünstige Drohnen abzuwehren. Teilweise müssen diese mit Patriot-Abwehrraketen bekämpft werden, die mehrere Millionen Euro pro Stück kosten.

7. Gefahr weiterer Radikalisierung

Schließlich sehen Beobachter auch politische Folgen der Luftangriffe im Iran. Beim Angriff, bei dem der oberste religiöse Führer des Landes, Ali Chamenei, getötet wurde, kamen auch weitere Mitglieder der iranischen Führung ums Leben.

Trump räumte ein, dass darunter auch Politiker gewesen seien, die die USA als mögliche pragmatische Führungspersonen für eine Übergangsregierung betrachtet hätten.

Als neuer Revolutionsführer wurde Chameneis Sohn Modschtaba Chamenei ernannt, der enge Beziehungen zu den Revolutionsgarden haben soll. Der Politikwissenschaftler Reinhard Schulze erklärte dazu: "Mit der Wahl des 56-jährigen Modschtaba Chamenei zum neuen Revolutionsführer demonstrieren die Revolutionsgarden ihren totalitären Machtanspruch."

{title && {title} } red, {title && {title} } 15.03.2026, 06:51
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