Normalerweise ist Herbert Kickl mit Interviews eher sparsam. Zum 70. Geburtstag der Freiheitlichen Partei machte er für die "ZiB History" des ORF eine rund 40 Minuten lange Ausnahme. Und ließ dabei mit durchaus spannenden Aussagen aufhorchen.
"Ich hoffe, dass die FPÖ auf Bundesebene das große Ziel verwirklichen kann, eine Regierung anzuführen. Und zwar mit deutlicher Mehrheit. Und ich glaube, dass wir nur mehr eine Wahl davon entfernt sind, dass wir deutlich die stärkste Partei sind und eine Regierung anführen", prophezeite der FPÖ-Chef im Interview mit Margit Laufer.
Und dann hätten die Freiheitlichen "den ganz großen Ehrgeiz, zu beweisen, dass dieser Systemwechsel, von dem wir immer sprechen, von Erfolg getragen sein wird". Dieser Systemwechsel bedeute "eine Politik weg von einem oben herab, von einem Drüberfahren über die Bürger, hin zu einem Dienen gegenüber der eigenen Bevölkerung und einem Ernstnehmen der Bedürfnisse, Sorgen und Nöte".
Ob mit dieser "Mehrheit" auch die "absolute Mehrheit" für die FPÖ gemeint sei, fragte Laufer. "Es hat schon Phasen gegeben in Österreich, wo Parteien eine absolute Mehrheit gehabt haben", so Kickl darauf. "Ich weiß, dass viele den Kopf schütteln werden, wenn die FPÖ sowas in den Mund nimmt. Aber das sind dann die gleichen, die gesagt haben, mit mir als Parteiobmann werden wir in Richtung zehn Prozent und nicht in Richtung zwanzig gehen. Und die gleichen, die gesagt haben, mit mir als Parteichef wird es die Partei innerlich zerreißen."
Die FPÖ liege jetzt in Umfragen bei 35 bis 38 Prozent, so der Parteichef weiter. Da sei die Dynamik eines Wahlkampfes noch gar nicht eingepreist. Kickl: "Ein paar Prozent können da schon noch gehen."
Und der FPÖ-Chef weiter: "Es verdichtet sich ja mehr und mehr, dass wir eine Wahlauseinandersetzung haben werden zwischen der FPÖ auf Seiten der Bevölkerung und einer Einheitspartei. So gesehen wird es eine große Richtungswahl, eine Schicksalswahl für Österreich werden."
Scharfe Kritik übte er an der amtierenden Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und Neos. "Die leidet ganz massiv darunter, dass es keine Verbindung mehr zur Bevölkerung gibt. Dass sich die Menschen fragen: Wofür haben wir die eigentlich?" Das sei eine Abkoppelung der politischen Führung von den Wählern", attestierte Kickl. "Und das ist für die Demokratie eine gefährliche Entwicklung."
Kickl zog auch Parallelen zu Jörg Haider, einem seiner Vorgänger an der Parteispitze und auch ein Mentor des jetzigen Parteichefs: "Jörg Haider hat etwas gemacht, was vorher in der FPÖ nicht vorhanden war. Er hat einen Machtanspruch gestellt. Weil Macht bedeutet die Möglichkeit der Veränderung."
"Haider hat gesagt, ich will Landeshauptmann von Kärnten werden. Es ist ihm gelungen. Und diese Mentalität einer offensiven FPÖ, die dieses Land verändert von der Spitze aus, das haben wir natürlich von ihm übernommen."