Viele fürchten, mit der staatlichen Pension allein später nicht auszukommen. Deshalb wird jetzt die zweite Säule des österreichischen Pensionssystems gestärkt: die betriebliche Altersvorsorge über den Arbeitgeber.
Der Sozialausschuss des Parlaments hat am Mittwoch die Reform der betrieblichen Altersvorsorge beschlossen, noch im September soll der Nationalrat grünes Licht geben. Das Inkrafttreten ist mit 1. Jänner 2028 geplant.
Damit künftig alle die Möglichkeit haben, sich das Geld im Alter mit einer Zusatzpension aufzufetten, soll die zweite Säule der Pensionsvorsorge in Kombination mit der Abfertigung auf neue Beine gestellt werden.
Zwar sind alle Arbeitnehmer bei der Abfertigung Neu dabei – hierfür zahlen Arbeitgeber 1,53 Prozent des Bruttogehalts in Vorsorgekassen ein. Doch nur rund ein Viertel der Beschäftigten kann das angesparte Geld bisher auch in eine lebenslange Zusatzpension umwandeln. Denn dafür muss der Arbeitgeber einen Vertrag mit einer Pensionskasse haben und das Geld dort einzahlen.
Aber bei rund 75 Prozent der Beschäftigten ist das nicht der Fall. Für sie bleibt damit nur die klassische einmalige Auszahlung der Abfertigung. Das soll sich ändern.
„Wir schaffen eine echte Zusatzpension für alle.“Andreas OttenschlägerÖVP-Finanzsprecher
Bei der Reform gehe es "im Wesentlichen darum, eine echte Zusatzpension für alle zu schaffen, um das Pensionsvermögen über die kommenden Jahrzehnte deutlich zu erhöhen", erklärt ÖVP-Finanzsprecher Andreas Ottenschläger.
Künftig haben alle Beschäftigten das Recht, ihre Abfertigung in ein standardisiertes Pensionskassenprodukt zu übertragen. Jede überbetriebliche Pensionskasse muss dann so etwas anbieten. Ob der eigene Arbeitgeber eine Pensionskasse hat oder nicht, spielt dann keine Rolle mehr.
Arbeitnehmer können ihr angespartes Abfertigungsgeld freiwillig und kostenlos dorthin übertragen, weiter ansparen und daraus bei Pensionsantritt eine lebenslange Zusatzrente beziehen.
Wer lieber bei der Einmalauszahlung bleibt, kann das tun. Das entscheidet jeder selbst.
Als zweite große Neuerung sollen die Vorsorgekassen neben dem bisherigen, wegen der Garantie aufs eingezahlte Kapital sehr konservativen Veranlagungsmodell, auch eines mit mehr Risiko-Spielraum und damit höheren Ertragschancen anbieten müssen. Bei der Veranlagung über Jahrzehnte soll so eine bessere Zusatzpension herausschauen.
"Wir führen ein neues Veranlagungsmodell ein, das auf höhere Ertragschancen setzt und die Chancen des Kapitalmarkts stärker nutzt", erklärt Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP). Auf diese Weise schaffe man auch mehr Bewusstsein für den Wert langfristiger Vorsorge.
„Wir führen ein neues Veranlagungsmodell ein, das auf höhere Ertragschancen setzt und die Chancen des Kapitalmarkts stärker nutzt.“Barbara Eibinger-MiedlFinanzstaatssekretärin (ÖVP)
Der Preis dafür: Beim neuen Vorsorgemodell fällt die Kapital- und Zinsgarantie weg. Der Wechsel erfolgt aber nur freiwillig. Wer nichts tut, bleibt in der bisherigen Variante mit Kapitalgarantie.
Wer sich für das neue Modell entscheidet, kann grundsätzlich erst im Pensionsalter auf das Geld zugreifen – Ausnahmen gibt es in Härtefällen. Je früher im Arbeitsleben man in das neue System einsteigt, desto mehr kann aus dem Geld werden.
Bis zu zehn Prozent mehr Geld im Alter soll das neue Zusatzpensions-Modell Berechnungen zufolge bringen.
Wie groß der Unterschied ausfallen könnte, rechnet das Finanzministerium anhand von Beispielen vor:
Lisa, 25, Einzelhandelskauffrau
Lisa verdient 2.200 Euro brutto im Monat. Wenn sie mit 65 Jahren in Pension geht, hat ihr Arbeitgeber insgesamt 28.500 Euro in 40 Jahren eingezahlt. Zum Pensionsantritt bekäme sie mit der Abfertigung Neu rund 37.700 Euro ausbezahlt. Mit dem neuen Vorsorge-Modell wären es rund 55.400 Euro. Das ist ein Plus von 17.700 Euro oder 47 Prozent.
Stefan, 35, Installateur
Stefan verdient 3.000 Euro brutto im Monat. Bis zur Pension zahlt sein Arbeitgeber in 30 Jahren insgesamt 26.000 Euro für die Abfertigung ein. Im bisherigen Modell bekäme Stefan dann rund 32.300 Euro. Mit dem neuen Modell wären es rund 43.000 Euro. Das ist ein Plus von 10.700 Euro oder 33 Prozent.
Tobias, 18, Lehrling
Tobias verdient 2.000 Euro brutto. Bis zu seiner Pension mit 65 zahlt sein Arbeitgeber 32.900 Euro für die Abfertigung ein. Bisher käme er auf rund 45.600 Euro. Mit dem neuen Modell wären es rund 71.800 Euro. Das ist ein Plus von 26.200 Euro oder 58 Prozent.
Alle drei haben zudem künftig die Möglichkeit, den angesparten Betrag in eine lebenslange Zusatzpension umzuwandeln.