Einigung mit Damaskus

Putin darf Militärstützpunkte in Syrien wieder benutzen

Russland darf seine Stützpunkte in Syrien weiter nutzen. Im Gegenzug übernimmt Damaskus dort zivile Einrichtungen wie Flughafen und Hafenbereiche.
Nick Wolfinger
10.08.2026, 11:50
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Im syrischen Bürgerkrieg (2011–2024) unterstützte Russland den damals herrschenden Assad-Clan im Kampf gegen die Rebellen. Mit dem Sieg der von der Türkei unterstützen islamistischen Rebellen ließ Putin seine einzige Marinebasis am Mittelmeer (Tartus) sowie den Luftwaffenstützpunkt Hmeimim evakuieren.

Nach 18 Monaten Verhandlungen gibt es nun offenbar eine Einigung über die künftige Weiternutzung. Syrien wird die russische Militärpräsenz weiter dulden – darf aber im Gegensatz Hafen und Flughafen für zivile und wirtschaftliche Zwecke nutzen.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Stützpunkt für Russland extrem wichtig

Betroffen sind der russische Marinestützpunkt in der Hafenstadt Tartus und der Luftwaffenstützpunkt Hmeimim im Westen Syriens. Beide Anlagen sind für Moskau von enormer strategischer Bedeutung. Sie zählen zu den wichtigsten russischen Militärposten im Mittelmeerraum und Nahen Osten.

Nach Angaben aus Damaskus sollen die militärischen Einrichtungen künftig zu "gemeinsamen Ausbildungszentren" umgewidmet werden. Ein Teil der bisher von Russland genutzten Anlagen soll innerhalb von drei Monaten entsprechend umgebaut werden. Auch ein gemeinsamer "Kapazitätsaufbau" ist vorgesehen. Die neuen Vereinbarungen sollen dabei die Interessen beider Länder wahren.

Zivile Bereiche gehen an Syrien

Gleichzeitig verliert Russland die Kontrolle über mehrere zivile Einrichtungen. Die syrischen Behörden sollen die entsprechenden Bereiche in Tartus und Hmeimim übernehmen.

Die zivile Luftfahrtbehörde Syriens bekommt demnach die Aufsicht über den internationalen Flughafen von Latakia. Dieser befindet sich unmittelbar neben dem russischen Stützpunkt Hmeimim und war bisher eng mit dessen Betrieb verbunden.

Techniker hätten bereits damit begonnen, den Flughafen, seine Anlagen und Systeme zu überprüfen. Ziel ist es, den Standort wieder vollständig in die zivile Luftfahrt Syriens einzugliedern.

Auch im Hafen von Tartus gibt es Veränderungen. Die syrische Hafenbehörde soll jene kommerziellen Bereiche übernehmen, die bisher von Russland betrieben wurden.

Putin verlor wichtigen Verbündeten

Über die Zukunft der beiden russischen Stützpunkte wurde seit dem Sturz von Baschar al-Assad im Dezember 2024 verhandelt. Russland war während des jahrelangen Bürgerkriegs einer der wichtigsten Verbündeten des früheren syrischen Machthabers.

Moskau griff militärisch in den Krieg ein und unterstützte Assads Truppen unter anderem mit Luftangriffen. Nach dessen Sturz verlor der Kreml erheblich an Einfluss in Syrien und musste seine Stützpunkte vorerst evakuieren. Mit der Machtübernahme von Damaskus in den Kurdengebieten zog Moskau Anfang 2026 seine Streitkräfte auch vom Flughafen Kamischli im kurdisch kontrollierten Nordosten Syriens ab.

Assad weiter in Moskau

Ein zusätzlicher Streitpunkt zwischen Damaskus und Moskau bleibt Assad selbst. Der gestürzte Machthaber floh im Dezember 2024 gemeinsam mit seiner Familie nach Russland und hält sich seither dort auf.

Die neue syrische Führung fordert wiederholt seine Auslieferung. Gleichzeitig versucht Damaskus, die Beziehungen zu Russland neu zu ordnen. Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa wurde bereits mehrfach von Kreml-Chef Wladimir Putin in Moskau empfangen. Um seine Macht abzusichern ist Scharaa scheinbar auch bereit, mit seinem zuvor jahrelangen Kriegsgegner zusammenzuarbeiten.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 10.08.2026, 11:50