Ein anstrengender Arbeitstag, ein hitziges Gespräch beim Familienessen oder eine Nachricht, die sofort wieder schlechte Stimmung auslöst – solche Momente kennt wohl jeder. Oft sind es nicht nur Situationen, sondern bestimmte Menschen, die uns Energie rauben. Genau diese könnten mehr mit unserer Gesundheit zu tun haben als bisher gedacht. Eine neue US-Studie zeigt nun: Wer regelmäßig mit Nörglern zu tun hat, könnte tatsächlich schneller altern.
Dass Stress den Körper belastet, ist längst bekannt. Doch er entsteht nicht nur durch Arbeit, Geldsorgen oder Zeitdruck: Auch zwischenmenschliche Beziehungen können zur Dauerbelastung werden – vor allem dann, wenn sie von Konflikten, Kritik oder ständigem Drama geprägt sind.
Gemeint sind Menschen, die immer wieder Probleme schaffen, Diskussionen anheizen oder einfach permanent negativ sind: Der Kollege, der nie zufrieden ist. Die Freundin, die ständig Streit sucht. Oder das Familienmitglied, das jedes Treffen in eine Grundsatzdebatte verwandelt.
Eine Untersuchung aus dem US-Bundesstaat Indiana legt nun nahe, dass solche Beziehungen messbare Auswirkungen auf den Körper haben. Konkret zeigen die Ergebnisse: Menschen, die regelmäßig mit Jammerer zu tun haben, weisen ein um etwa 1,5 Prozent beschleunigtes Altern ihrer Zellen auf.
Das bedeutet: Pro Kalenderjahr altert der Körper biologisch etwas schneller als üblich. Studienleiter Byungkyu Lee von der New York University betont in einem "New York Post"-Interview jedoch, dass es sich dabei um einen Zusammenhang handelt – nicht um einen direkten Beweis für Ursache und Wirkung. Dennoch ist der Effekt vergleichbar mit anderen bekannten Stressfaktoren wie finanziellen Problemen oder dauerhaftem Druck im Job.
Schnelleres biologisches Altern bleibt nicht ohne Folgen: Es steht unter anderem in Verbindung mit chronischen Entzündungen, einem geschwächten Immunsystem und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Im Gespräch mit der "New York Post" weist auch Co-Autorin Brea Perry von der Indiana University darauf hin, dass selbst kleine Unterschiede über die Jahre große Auswirkungen haben können. Was zunächst kaum spürbar ist, kann sich langfristig deutlich summieren.
Für die Untersuchung wurden Gesundheitsdaten von mehr als 2.000 Menschen ausgewertet: Neben Befragungen zu Beziehungen und Stress analysierten die Forschenden auch Speichelproben, um epigenetische Marker zu untersuchen. Diese geben Aufschluss darüber, wie schnell der Körper biologisch altert.
Besonders auffällig: Der negative Effekt war am stärksten, wenn die belastende Person aus dem engen Familienkreis stammt – etwa Eltern oder Kinder. Gerade diese Beziehungen sind oft intensiver und emotionaler, was den Stress zusätzlich verstärken kann.
Belastende Beziehungen sind kein Randphänomen: Rund 30 Prozent der Befragten gaben an, mindestens eine solche Person im nahen Umfeld zu haben. Auffällig war auch ein sozialer Zusammenhang: Menschen mit schlechterer Gesundheit oder schwierigen Lebensumständen berichteten häufiger von solchen Beziehungen.
Auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern wurden sichtbar: Frauen gaben häufiger an, belastende Personen im Umfeld zu haben. Das könnte laut den Forschenden daran liegen, dass sie stärker in soziale Beziehungen eingebunden sind und Konflikte intensiver wahrnehmen.
Die Lösung liegt laut Experten jedoch nicht darin, sich komplett zurückzuziehen, denn Einsamkeit kann ebenfalls schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Stattdessen raten Fachleute dazu, bewusst Grenzen zu setzen: Wer merkt, dass bestimmte Beziehungen dauerhaft Stress verursachen, sollte den Kontakt reduzieren oder lernen, sich emotional abzugrenzen.