Das Essen ist aufgegessen, die Gläser sind leer – und dann beginnt an manchen Tischen erst die große Rechnerei. Wer hatte den Wein? Wer nur Wasser? Und wer soll eigentlich wie viel bezahlen? Einem Restaurantbesitzer in Deutschland wurde genau dieses Zahlungs-Pingpong irgendwann zu viel.
Denn während das getrennte Bezahlen hierzulande für viele fast schon selbstverständlich ist, bedeutet es für das Servicepersonal vor allem bei größeren Gruppen zusätzlichen Aufwand. Ein Wirt aus Esslingen zieht deshalb Konsequenzen.
Salvatore Marrazzo führt seit 2018 das italienische Restaurant "Accanto" im baden-württembergischen Esslingen. Gerade dort, mitten im Schwabenland, trifft seine neue Bezahlregel einen Nerv.
Denn Marrazzo stört sich daran, wie genau manche Gäste ihre Rechnung auseinanderdividieren wollen. Gegenüber der "Bild" schilderte er seinen Ärger deutlich: "Oftmals kommt es vor, dass Schwaben pingelig darüber diskutieren, wer wie viele Gläser aus einer Flasche Rotwein getrunken hat, und dass dies bitte auch für die Rechnungen gesplittet wird. Auch Schweizer Gäste legen diese nervige Eigenart an den Tag."
Für die Gäste mag das genaue Aufteilen fair erscheinen. Wer selbst nur einen Espresso bestellt hat, möchte schließlich ungern für die Cocktails oder den Wein der anderen mitbezahlen. Für das Personal kann die Abrechnung allerdings zum Zeitfresser werden.
Vor allem dann, wenn mehrere größere Gruppen gleichzeitig ihre Rechnungen auseinanderrechnen lassen wollen, wird es laut Marrazzo mühsam. "Wenn zwei große Tische plötzlich getrennt zahlen wollen, bedeutet das für meine Kellner oftmals fast eine Stunde Extra-Arbeitszeit." Für den Gastronomen war damit irgendwann Schluss. Nachdem es im Sommer 2025 bei Hochbetrieb mehrfach zu Diskussionen über die getrennte Bezahlung gekommen war, führte er eine neue Regel ein.
Sowohl ein Aushang als auch Hinweise in der Speisekarte machen die Gäste darauf aufmerksam, dass Rechnungen grundsätzlich nicht aufgeteilt werden sollen.
Ganz so streng ist die Regel allerdings nicht. Marrazzo stellte später klar: Wer bereits vor der Bestellung ankündigt, getrennt zahlen zu wollen, kann das weiterhin tun. Das Kassensystem könne dann von Beginn an einzelne Parteien an einem Tisch anlegen und die Bestellungen sauber zuordnen. Der Gastronom will also weniger das getrennte Bezahlen selbst verhindern als das große Auseinanderrechnen am Ende eines Abends.
Nach seinen Angaben stößt die Regel bei einem Großteil der Kundschaft auf Verständnis. Rund 90 Prozent der Reaktionen seien positiv gewesen. Gleichzeitig sorgte die Debatte auch für heftigen Gegenwind in sozialen Netzwerken.