Du machst morgens das Licht im Badezimmer an – und plötzlich sitzt sie da. Oder ein dunkler Schatten flitzt am Abend über den Wohnzimmerboden. Gerade im Herbst scheint es manchmal, als würden Spinnen unsere vier Wände regelrecht erobern. Aber warum tauchen die achtbeinigen Mitbewohner ausgerechnet jetzt so häufig auf?
Wenn es draußen kühler wird, zieht es tatsächlich mehr Spinnen in geschützte Bereiche. Ganz so einfach wie "draußen kalt, drinnen warm" ist die Erklärung allerdings nicht. Viele heimische Arten kommen auch mit niedrigen Temperaturen zurecht und verbringen den Winter im Freien. Wohnungen, Keller, Dachböden und Garagen bieten trotzdem ziemlich angenehme Bedingungen: wenig Wind, geschützte Ecken und mit etwas Glück reichlich Nahrung.
Hinzu kommt ein weiterer Grund: Im Spätsommer und Herbst sind bei einigen Arten vor allem die Männchen verstärkt unterwegs. Auf der Suche nach einem Weibchen legen sie größere Strecken zurück – und verirren sich dabei schon einmal durch Fenster oder Türen in die Wohnung.
Besonders leicht haben es Spinnen, wenn Fenster abends lange offen oder gekippt bleiben. Dabei kommen nicht unbedingt nur die Achtbeiner selbst herein. Licht lockt Insekten an – und wo Fliegen, Mücken oder Motten unterwegs sind, ist für Spinnen der Tisch praktisch gedeckt. Auch feuchte Bereiche wie Badezimmer oder Keller können für manche Arten attraktiv sein. Ganz unnütz sind die ungebetenen Gäste deshalb übrigens nicht: Spinnen machen Jagd auf Mücken, Fliegen, Motten und andere kleine Tiere.
Wer auf tierische Mitbewohner trotzdem lieber verzichtet, kann es den Spinnen schwerer machen. Fliegengitter vor den Fenstern sind eine der einfachsten Barrieren. Auch Türen und Fenster sollten möglichst dicht schließen und gerade am Abend nicht unnötig lange offen stehen.
Von vermeintlichen Wundermitteln solltest du hingegen nicht zu viel erwarten: Im Internet werden etwa ätherische Öle und bestimmte Düfte gegen Spinnen empfohlen – verlässlich belegt ist ihre abschreckende Wirkung jedoch nicht.
Und was tun, wenn eine Spinne bereits eingezogen ist? Am einfachsten lässt sie sich mit einem Glas einfangen. Glas darüberstülpen, ein Stück Papier oder Karton darunterschieben und das Tier anschließend draußen wieder freilassen. Der Staubsauger ist dagegen keine besonders tierfreundliche Lösung: Schließlich erfüllen Spinnen draußen eine wichtige Aufgabe und halten zahlreiche andere kleine Tiere in Schach.
Wenn dir also in den nächsten Wochen plötzlich häufiger acht Beine entgegenkommen, muss dahinter keine heimliche Spinnen-Invasion stecken. Oft sind es schlicht Jahreszeit, Partnersuche und ein einladendes Fenster, die den unerwarteten Besuch erklären.