Draußen wird es kalt, drinnen ist die Heizung an – und trotzdem bleibt das Schlafzimmerfenster die ganze Nacht gekippt. Für eingefleischte Frischluftfans gehört das selbst im tiefsten Winter einfach dazu. Doch tut man seinem Körper damit tatsächlich etwas Gutes oder ist das nächtliche Dauerlüften bei niedrigen Temperaturen eher eine schlechte Idee?
Während wir schlafen, steigt in einem geschlossenen Schlafzimmer nach und nach der CO₂-Gehalt. Gleichzeitig geben Menschen über Nacht Feuchtigkeit an die Raumluft ab. Gerade wenn zwei Personen in einem kleinen Raum schlafen, kann sich das bemerkbar machen.
Ein geöffnetes Fenster sorgt kontinuierlich für Luftaustausch und kann dabei helfen, CO₂ und Feuchtigkeit nach draußen zu transportieren. Ein angenehm kühles Schlafzimmer empfinden zudem viele Menschen als schlaffördernd. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Fenster dafür acht Stunden lang offenstehen muss.
Bei niedrigen Außentemperaturen kann ein dauerhaft gekipptes oder geöffnetes Fenster das Schlafzimmer stark auskühlen. Wer dabei friert, kalte Füße bekommt oder ständig Zugluft abbekommt, gewinnt dadurch wenig.
Auch energetisch ist Dauerlüften während der Heizperiode keine besonders gute Idee. Die Verbraucherzentrale rät dazu, Heizkörper bei geöffnetem Fenster abzudrehen. Für den Luftaustausch sei kurzes Querlüften mit weit geöffneten Fenstern besonders effektiv. Als Orientierung nennt sie für Schlafzimmer rund 18 Grad Celsius. Wenig genutzte Räume sollten nicht dauerhaft unter 14 bis 16 Grad auskühlen.
Wer morgens bibbernd unter der Decke liegt, sollte das Fenster also besser schließen und stattdessen vor dem Schlafengehen sowie nach dem Aufstehen kräftig durchlüften.
Klingt zunächst widersprüchlich: Lüften soll schließlich gerade gegen Schimmel helfen. Problematisch kann jedoch eine Kombination aus stark ausgekühlten Bauteilen und hoher Feuchtigkeit werden.
An besonders kalten Oberflächen kann Wasserdampf kondensieren. Deshalb empfiehlt die Verbraucherzentrale, die Luftfeuchtigkeit mit einem Thermo-Hygrometer im Blick zu behalten. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte 60 Prozent nur kurzzeitig überschreiten. Auch nach dem Aufstehen sollte das Schlafzimmer gut gelüftet werden, um die über Nacht angesammelte Feuchtigkeit loszuwerden. Beschlagene Fenster, feuchte Stellen oder muffiger Geruch sind Warnzeichen, die man nicht ignorieren sollte.
Und dann wäre da noch ein Faktor, den Frischluftfans gerne unterschätzen: Lärm. Wer an einer stark befahrenen Straße wohnt, holt sich mit der frischen Luft möglicherweise Verkehrslärm direkt ans Bett. Die WHO weist darauf hin, dass übermäßiger Umgebungslärm den Schlaf stören kann und langfristige Lärmbelastung unter anderem mit erhöhten Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist.
Eine Regel für alle gibt es nicht. Wer bei geöffnetem Fenster angenehm schläft, weder friert noch Zugluft abbekommt und in einer ruhigen Umgebung lebt, muss das Fenster im Herbst nicht aus gesundheitlicher Sorge schließen.
Wird das Schlafzimmer dagegen eiskalt, läuft gleichzeitig die Heizung oder dringt die ganze Nacht Verkehrslärm herein, ist Stoßlüften vor dem Schlafengehen und am Morgen meist die sinnvollere Lösung.