Früher bedeutete Nacht vor allem eines: Dunkelheit. Kein Licht aus dem Flur, keine Straßenlaterne, die durchs Fenster ins Schlafzimmer strahlt und schon gar kein Fernseher, der die halbe Nacht flimmert. Heute sieht das anders aus: Selbst wenn wir schlafen, sind wir häufig von künstlichem Licht umgeben. Und genau das könnte für unseren Körper problematischer sein als bislang gedacht.
Dass Licht in der Nacht Auswirkungen auf die Gesundheit haben könnte, ist nicht völlig neu. Frühere Untersuchungen brachten Licht während der Nacht bereits mit einem erhöhten Risiko für Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck in Verbindung. Auch Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden beobachtet.
Eine im "European Heart Journal" veröffentlichte Untersuchung liefert nun einen weiteren Hinweis. Ein Forschungsteam analysierte dafür Daten von Teilnehmern der britischen UK Biobank, einer der weltweit größten Gesundheitsdatenbanken.
Das Besondere: Die Lichtmenge wurde nicht einfach von den Probanden geschätzt. Fitness-Monitore mit eingebauten Sensoren zeichneten eine Woche lang auf, wie viel Licht die Menschen tatsächlich abbekamen. Zusätzlich standen MRT-Aufnahmen ihrer Herzen zur Verfügung – und zwar aus einer Zeit, bevor bei ihnen erkennbare Herzprobleme aufgetreten waren.
Anschließend verglichen die Wissenschaftler Personen, die nachts weitgehend im Dunkeln schliefen, mit jenen, die regelmäßig mindestens drei Lux Licht ausgesetzt waren. Das entspricht ungefähr dem Licht dreier Kerzen aus knapp einem Meter Entfernung. Dabei stießen die Forscher auf auffällige Unterschiede: Bei Menschen mit nächtlicher Lichtexposition waren die Herzwände dicker. Gleichzeitig arbeitete das Herz beim Pumpen weniger effizient.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Betroffenen bereits herzkrank waren. Laut Studienautor Lu Qi von der Tulane University können solche Veränderungen jedoch auftreten, bevor sich eine tatsächliche Herzerkrankung entwickelt. Die Ergebnisse würden damit zu früheren Untersuchungen passen, die nächtliches Licht unter anderem mit Herzschwäche, Schlaganfällen und Herzinfarkten in Verbindung gebracht hatten.
Einen endgültigen Beweis dafür, dass das Licht selbst die Veränderungen verursacht, liefert die Untersuchung nicht. Es handelt sich um einen beobachteten Zusammenhang. Denkbar ist daher, dass weitere Lebensstil- oder Gesundheitsfaktoren eine Rolle spielen. Auch woher das nächtliche Licht bei den Teilnehmern genau kam, ließ sich nicht bestimmen: Eine Straßenlaterne vor dem Fenster kommt ebenso infrage wie eine Lampe im Flur, ein laufender Fernseher oder ein Bildschirm im Schlafzimmer.
Die wachsende Zahl an Forschungsergebnissen deutet dennoch darauf hin, dass Licht in der Nacht unseren natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus stören und damit Prozesse beeinflussen könnte, die für Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System wichtig sind.
Die Konsequenz für den Alltag ist denkbar einfach: Im Schlafzimmer sollte es nachts möglichst dunkel sein. Wer Licht von draußen nicht vollständig aussperren kann, kann etwa auf Verdunkelungsvorhänge oder eine Schlafmaske setzen. Fernseher und andere leuchtende Geräte sollten während der Nacht ausgeschaltet werden.
Was ohnehin seit Jahren zu den klassischen Empfehlungen für guten Schlaf gehört, könnte damit einen zusätzlichen Nutzen haben. Wer nachts konsequent das Licht ausschaltet, gönnt womöglich nicht nur seinem Kopf mehr Ruhe – sondern auch seinem Herzen.