Rasur vor dem Höhenflug

Darum siehst du im Cockpit kaum Piloten mit Vollbart

Wer genau hinsieht, merkt schnell: Piloten mit richtig langem Vollbart sieht man fast nie. Dahinter stecken vor allem strenge Sicherheitsregeln.
Heute Life
19.08.2026, 16:55
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Wer schon einmal beim Boarding genau hingesehen hat, dem ist vielleicht etwas aufgefallen: Piloten mit richtig vollem Bart sieht man im Cockpit fast nie. Zwar tragen manche einen gepflegten Drei-Tage-Bart oder einen schmalen Oberlippenbart, doch lange oder besonders dichte Bärte bleiben in vielen Airlines weiterhin tabu. Dahinter steckt nicht nur eine Frage der Optik oder strenger Uniformregeln, sondern vor allem die Sicherheit an Bord.

Sauerstoffmasken müssen perfekt sitzen

Im Cockpit kann im Ernstfall jede Sekunde entscheidend sein. Kommt es etwa zu einem plötzlichen Druckabfall oder Rauch in der Kabine, müssen die Piloten sofort ihre Sauerstoffmasken aufsetzen. Genau hier wird der Bart zum Thema: Denn damit die Masken richtig funktionieren, müssen sie dicht am Gesicht anliegen.

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Bereits 1987 beschäftigte sich die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA mit genau dieser Frage. Damals zeigte eine Untersuchung: Je länger der Bart, desto schlechter kann die Sauerstoffmaske abdichten. Laut der Studie nahm die Schutzwirkung mit zunehmender Bartlänge deutlich ab. Für viele Fluglinien war die Sache damit klar – und strenge Bartregeln wurden zum Standard.

Neue Studie sorgt für Überraschung

Doch Jahrzehnte später kam plötzlich Bewegung in die Diskussion. Die kanadische Fluglinie Air Canada ließ 2018 eine neue Untersuchung durchführen. Das Forschungsteam rund um Wissenschaftlerin Sherri Ferguson von der Simon Fraser University wollte herausfinden, ob moderne Sauerstoffmasken bei bärtigen Piloten tatsächlich schlechter funktionieren.

Für die Studie wurden Männer mit unterschiedlicher Gesichtsbehaarung getestet: von kurzen Stoppeln über mittellange Bärte bis hin zu sehr langen Vollbärten mit bis zu 40 Zentimetern Länge. Untersucht wurde unter anderem, wie gut die Teilnehmer bei simulierten Notfällen geschützt wären.

Das überraschende Ergebnis: Laut der Studie konnten innerhalb der getesteten Parameter keine negativen Auswirkungen festgestellt werden. Die Sauerstoffversorgung funktionierte auch bei Teilnehmern mit Bart ausreichend gut. Für viele galt das als kleiner Wendepunkt in der Luftfahrt.

Air Canada lockerte das Bartverbot

Bis dahin herrschte bei Air Canada ein striktes Bartverbot für männliche Crewmitglieder. Nach der Veröffentlichung der Studie änderte die Fluglinie jedoch ihre Regeln. Seit 2018 dürfen Piloten dort offiziell Bart tragen – allerdings nur bis zu einer maximalen Länge von 12,5 Millimetern. Ganz frei ist die Bartwahl also trotzdem nicht: Noch immer achten Airlines weiterhin sehr genau darauf, wie gepflegt und wie lang die Gesichtsbehaarung ihrer Cockpit-Crews ist.

Viele Airlines bleiben streng

Während manche Fluglinien lockerer geworden sind, setzen andere weiterhin auf klare Grenzen. Hawaiian Airlines führte erst vor Kurzem sogar erneut ein Bartverbot für Piloten im Cockpit ein.

Etwas entspannter sieht es dagegen bei mehreren europäischen Airlines aus. Die Schweizer Ferienfluglinie Edelweiss erlaubt grundsätzlich Bärte, solange diese gepflegt, dicht und sauber konturiert sind. Die maximale Länge beträgt dort allerdings zehn Millimeter. Auch Oberlippenbart oder Spitzbart sind erlaubt – Koteletten müssen dagegen ordentlich rasiert sein. Ähnliche Regeln gelten bei Helvetic Airways. Dort dürfen Piloten ebenfalls Bart tragen, allerdings ebenfalls nur bis zu einer Länge von zehn Millimetern.

Bei der Swiss sind die Vorgaben etwas großzügiger. Dort sind laut Airline sogar bis zu 15 Millimeter erlaubt. Voraussetzung bleibt aber auch hier ein gepflegtes Erscheinungsbild. Der Bart muss dicht, sauber konturiert und ordentlich rasiert sein.

{title && {title} } red, {title && {title} } 19.08.2026, 16:55
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