Ein saftiges Stück Wassermelone, eine Handvoll Weintrauben oder eine frisch aufgeschnittene Orange: Bevor wir genüsslich zugreifen, beginnt bei vielen das große Kerne-Sortieren. Was stört, wird kurzerhand ausgespuckt oder weggeworfen. Dabei machen wir uns bei manchen Früchten völlig unnötig die Mühe.
Gerade bei Wassermelonen werden die dunklen Kerne oft besonders gründlich entfernt. Dabei sind sie grundsätzlich unbedenklich und enthalten unter anderem Magnesium, Eisen, Zink und ungesättigte Fettsäuren. Wer die Nährstoffe besser nutzen möchte, sollte die Kerne gut zerkauen: Werden sie im Ganzen geschluckt, passieren sie den Verdauungstrakt teilweise unverdaut.
Noch besser schmecken sie geröstet: Einfach trocknen, mit etwas Öl und Salz in der Pfanne anrösten und über Salate oder Suppen streuen.
Auch bei Weintrauben lohnt es sich, die Kerne nicht automatisch auszusortieren. Sie enthalten Polyphenole und andere sekundäre Pflanzenstoffe, die unter anderem antioxidative Eigenschaften besitzen. Ein Grund mehr, beim nächsten Einkauf nicht ausschließlich zu kernlosen Trauben zu greifen. Einen nachgewiesenen besonderen Gesundheitseffekt darf man sich vom gelegentlichen Mitessen allerdings nicht erwarten.
Beim Auspressen einer Zitrone landet schnell einmal ein Kern im Saft. Das ist normalerweise kein Problem. Auch die Samen von Orangen und anderen Zitrusfrüchten gelten in üblichen kleinen Mengen als essbar. Allerdings schmecken sie oft bitter und sind kein besonders ergiebiger Nährstofflieferant. Extra sammeln oder zu Pulvern verarbeiten muss man sie deshalb nicht.
Ganz anders sieht es bei Marillen, Pfirsichen, Zwetschken und Kirschen aus. Ihre harten Steine enthalten im Inneren Samen mit dem Pflanzenstoff Amygdalin. Beim Zerkauen und Verdauen kann daraus giftige Blausäure entstehen. Besonders bittere Marillenkerne können gefährliche Mengen enthalten. Sie sollten deshalb nicht als vermeintlich gesunder Snack gegessen werden.
Auch Apfelkerne enthalten Amygdalin. Wer versehentlich ein paar davon verschluckt, muss normalerweise keine Vergiftung befürchten. Größere Mengen gezielt zu zerkauen oder zu mahlen, ist aber keine gute Idee – besonders bei Kindern.
Im Internet kursieren immer wieder Tipps, den großen Avocadokern zu trocknen, zu reiben und ins Müsli zu mischen. Davon raten Verbraucherschützer jedoch ab: Die Sicherheit des Verzehrs ist nicht ausreichend geklärt, und die oft beworbenen gesundheitlichen Vorteile sind wissenschaftlich nicht belegt.
Bei Himbeeren, Erdbeeren, Kiwis oder Feigen denkt kaum jemand daran, die winzigen Samen zu entfernen. Ähnlich selbstverständlich essen wir sie bei Tomaten, Gurken und Zucchini mit. Die wichtigste Faustregel: Kleine, weiche Samen vieler Früchte dürfen auf dem Teller bleiben. Harte Obststeine und unbekannte Kerne solltest du dagegen nicht aufbrechen und essen.