Der Duft von frischem Shampoo, das warme Wasser auf der Haut – und ein Griff zum Seifenspender im Hotel. Alles wirkt sauber, ordentlich, hygienisch. Doch genau hier beginnen bei vielen plötzlich Zweifel. Denn im Netz kursiert derzeit ein unangenehmer Gedanke: Sind diese Spender wirklich so sauber, wie sie aussehen?
Ausgelöst wurde die Debatte durch ein TikTok-Video: Darin warnt eine Userin eindringlich davor, die großen Duschgel- und Shampoo-Spender im Hotel zu benutzen. "Es gibt Leute, die da herumpfuschen und Sachen hineinschütten", behauptet Brittney – und sorgt damit für Millionen Klicks und hitzige Diskussionen. "Igitt, bitte was?", fragt jemand in den Kommentaren.
Auch andere Nutzer berichten von ihren eigenen Erfahrungen: "Ich habe als Reinigungskraft in einem Hotel gearbeitet und kann das bestätigen", schreibt eine Person. "Das passiert aber nur bei Flaschen mit normalem Drehverschluss. Im Hotel, wo ich arbeite, gibt es Spender, die sich nicht öffnen lassen", wendet eine andere ein. "Jetzt hab' ich Angst, dass jemand Enthaarungsmittel ins Shampoo mischt!", meint eine Userin.
Ganz unbegründet sind die Sorgen jedoch nicht. Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2023 zeigt: Nachfüllbare Spender haben bereits ein um bis zu 70 Prozent höheres Risiko für bakterielle Verunreinigung. Auch eine Untersuchung aus den USA kommt zu ähnlichen Ergebnissen. In mehr als 75 Prozent der getesteten Hotelspender wurden höhere Bakterienwerte gemessen, als für Kosmetikprodukte üblich sind.
Der Grund dafür liegt im Inneren der Behälter: In nachfüllbaren Spendern können sich Bakterien an den Innenwänden festsetzen. Dort bildet sich ein sogenannter Biofilm. Je öfter Shampoo, Seife oder Lotion nachgefüllt wird, desto mehr wächst dieser schleimige Film – und landet schließlich beim Duschen auf deiner Haut.
Trotz dieser Erkenntnisse gibt es auch Entwarnung. Dermatologin Marianne Meli erklärt gegenüber "20 Minuten": "Für gesunde Erwachsene ist das Risiko einer klinisch relevanten Infektion durch nachfüllbare Spenderflaschen in Hotels sehr gering, obwohl bakterielle Kontamination nachweislich vorkommt." Eigene Produkte mitzunehmen, bietet zwar zusätzliche Sicherheit, sei aber für die meisten Reisenden nicht erforderlich.
Minigrössen im Hotel sind ab 2030 in der EU verboten
Fest steht: Die klassischen Mini-Fläschchen im Hotelbad werden bald verschwinden. Ab 2030 sind Einwegprodukte in der EU weitgehend verboten. Hotels setzen deshalb zunehmend auf nachfüllbare Systeme.
"Bei Personen mit offenen Hautwunden, geschwächtem Immunsystem oder chronischen Hauterkrankungen können diese Bakterien zu einer Infektion führen." Eine relevante Infektion über solche Produkte sei ihres Erachtens aber sehr unrealistisch. "Spender sollten dann gemieden werden, wenn sie sichtbar verunreinigt oder verfärbt sind oder einen ungewöhnlichen Geruch aufweisen", so die Schweizer Ärztin.