Eine tiefsitzende Hüftjeans, ein bauchfreies Top – und plötzlich blitzt es wieder hervor: das verrufene Steißbein-Tattoo. Was lange als Modesünde galt, taucht derzeit wieder auf Social Media und sogar auf den größten Bühnen der Welt auf. Das sogenannte "Arschgeweih", einst belächelt und verspottet, erlebt ein überraschendes Comeback.
Ende der 90er und Anfang der 2000er waren Steißbein-Tattoos ein absolutes Must-have. Vor allem geschwungene Tribal-Motive dominierten das Bild. Doch mit der Zeit kippte die Stimmung: Die Designs wurden zum Klischee, bekamen abwertende Spitznamen – und verschwanden zunehmend aus dem Straßenbild.
Jetzt kehren sie zurück. Promis wie Hailey Bieber setzen den Trend neu in Szene und zeigen: Das Motiv ist längst nicht mehr das, was es einmal war. Statt breiter Tribals dominieren heute feine Linien, minimalistische Schriftzüge und filigrane Designs.
Auch in Wiener Tattoo-Studios ist der Trend angekommen. Tätowiererin Moni Weber vom Studio "Happy Needles Tattoo" beobachtet eine klare Entwicklung: "Absolut! Wie unglaublich ist es, dass dieser Tattoo-Trend wieder zurückkommt? Die Steißbein-Tattoos waren Ende der 90er und Anfang der 2000er mega trendig. Derzeit erleben diese Tattoos wirklich ein Revival und die junge Generation zeigt sich begeistert davon."
Was heute gestochen wird, unterscheidet sich deutlich von früher: "Vor 20 Jahren waren die Steißbein-Tattoos typisch im Tribal-Stil, jetzt setzt die junge Generation auf Fine-Line-Motive, wobei diese halt schneller verblassen. Da sind die klassischen Motive von früher besser gewählt", verrät die Wiener Tätowiererin im "Heute"-Interview.
Trotz neuer Trends blickt sie auch mit einem Augenzwinkern zurück: "Früher habe ich Tattoos gerne und auch ständig gestochen. Dass die Tattoo-Stelle jetzt ein Comeback feiert, finde ich genial."
Für Weber liegt der Grund klar auf der Hand: "Ich denke, dass die junge Generation eine Sehnsucht nach den freien 90er-Jahren empfindet."
Auffällig ist auch: Kaum ein Motiv ist so eindeutig geprägt wie das Arschgeweih: "Das Steißbein-Tattoo zählt zu einen der wenigen Tattoos, die recht geschlechterspezifisch sind: Während ich schon über 100 Frauen ein Steißbein-Tattoo verpasst habe, habe ich nur 3 Männern eines tätowiert", erläutert sie.
Lange haftete dem Tattoo ein negatives Image an. Die Tattoo-Künstlerin meint, dass Begriffe wie "Schlampenstempel" oder "Arschgeweih" aus dem Trend ein Stigma machten. Viele ließen ihre Motive später überstechen oder entfernen. Heute passiert das Gegenteil: Das Arschgeweih wird bewusst zurückgeholt – als modisches Statement und Zeichen für einen neuen Umgang mit alten Trends.