Du sitzt gemütlich auf der Couch, als plötzlich etwas Langbeiniges über die Wand krabbelt. Acht dünne Beine, ein winziger Körper – und schon ist der Griff zum Staubsauger verlockend. Schließlich möchte man den unerwarteten Besucher möglichst schnell wieder loswerden. Doch das solltest du besser nicht tun: Die unscheinbaren Weberknechte sind nicht nur völlig harmlos, sondern können sogar ziemlich nützlich sein.
Vorallem im Herbst verirren sich Weberknechte immer wieder in unsere Wohnungen. Wer sich vor den langbeinigen Krabbeltieren ekelt, möchte sie oft möglichst schnell und ohne direkten Kontakt entfernen. Der Staubsauger scheint dafür die einfachste Lösung zu sein, für die Tiere kann er allerdings tödlich enden.
Wie gefährlich der Staubsauger für die kleinen Krabbeltiere tatsächlich ist, wollte der "SWR" genauer wissen und fragte deshalb bei führenden Staubsaugerherstellern nach. Das Ergebnis: Beim Einsaugen können Weberknechte mit mehr als 100 km/h gegen die Innenwände des Geräts geschleudert werden. Den heftigen Aufprall überleben die Tiere meist nicht.
Auch wenn sie auf den ersten Blick wie Spinnen aussehen, gehören Weberknechte zu einer eigenen Ordnung innerhalb der Spinnentiere. Anders als echte Spinnen besitzen sie weder Spinndrüsen noch Giftdrüsen. Ihre Körperform unterscheidet sich ebenfalls: Vorder- und Hinterleib gehen scheinbar nahtlos ineinander über.
Für Menschen stellen die Tiere keine Gefahr dar. Im Gegenteil: Sie ernähren sich unter anderem von kleinen Insekten und anderen winzigen Tieren. Besonders im Garten sind Weberknechte deshalb nützliche Helfer, aber auch in der Wohnung können sie beispielsweise kleine Fliegen erbeuten.
Du möchtest den Weberknecht trotzdem lieber draußen haben? Dann brauchst du nur ein Glas und ein Stück Papier. Stülpe das Glas vorsichtig über das Tier und schiebe anschließend langsam ein Blatt Papier darunter. Achte dabei besonders auf die empfindlichen Beine. Denn Weberknechte haben einen ungewöhnlichen Schutzmechanismus: Bei Gefahr können sie eines ihrer Beine abwerfen, um einem Angreifer zu entkommen. Das verlorene Bein wächst bei erwachsenen Tieren nicht mehr nach.
Trage den kleinen Besucher anschließend nach draußen und setze ihn an einem geschützten Ort ab, etwa zwischen Pflanzen oder unter einem Strauch. Wer lieber etwas Abstand hält, kann stattdessen einen Insektenfänger mit langem Griff verwenden.