Die SPÖ steckt in einer akuten, massiven Führungskrise. Seit der Medienmanager und frühere ORF-Chef Gerhard Zeiler sich als Parteichef "angeboten" hat, herrscht Alarmstufe Rot. Am Sonntag um 16 Uhr trifft sich daher SPÖ-Chef Andreas Babler mit den neun Landesvorsitzenden (alles Männer, Anm.) zum Krisengipfel.
Besprochen werden soll da unter anderem ein mögliches Prozedere, wie Zeiler zum Parteichef gewählt werden könnte. Die Zukunft des amtierenden Parteichefs Babler scheint besiegelt, er dürfte vor der Ablöse stehen. "Seine Zeit ist vorbei. Niemand in der Partei stützt ihn mehr", sagen SPÖ-Granden im "Heute"-Gespräch unisono.
Aber wie würde sich ein neuer Parteichef Zeiler tatsächlich auf die desaströsen Werte der Sozialdemokraten auswirken? Das hat "Unique Research" für "Heute" 810 Österreicher gefragt (Mix Telefon/ online, maximale Schwankungsbreite ±3,4 Prozent). Das sind die Ergebnisse:
Bleibt Andreas Babler wider Erwarten doch Parteichef, käme die SPÖ nur mehr auf 15 Prozent. Das ist der tiefste Wert, der in "Heute"-Umfragen je für ihn gemessen wurde.
Den genau gegenteiligen Effekt hätte ein Babler-Verbleib für die FPÖ. Die Freiheitlichen würden mit 38 Prozent ihren bisherigen Höchststand erreichen.
Mit einem Parteichef Zeiler käme die Sozialdemokratie auf 17 Prozent. Das wären zwar zwei Prozentpunkte mehr als unter Babler, Platz zwei wäre damit trotzdem so gut wie außer Reichweite. Der positive Effekt? Überschaubar. Zeiler würde der FPÖ zwei Prozentpunkte und der ÖVP einen Prozentpunkt gegenüber einem Babler-Antreten kosten.
Zuletzt immer wieder als Babler-Nachfolger gehandelt: Finanzminister Markus Marterbauer. Mit ihm würde die SPÖ tatsächlich wieder besseren Zeiten entgegensehen. Laut einer Umfrage für ATV vom Juni dürfte die Partei mit 25 Prozent rechnen. Das ist ein Wert, von dem sie derzeit nur träumen kann. Gut möglich, dass das auch die Parteigranden am Sonntag so sehen und Marterbauer doch beknien, als Parteichef anzutreten.
Diese Ergebnisse sind vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um die Parteiführung zu sehen, die die SPÖ weiter schwächt. Ein Wechsel zu Gerhard Zeiler könnte den Abwärtstrend zumindest stoppen und die Werte der SPÖ stabilisieren", analysiert Meinungsforscher und Politik-Experte Peter Hajek im Gespräch mit "Heute". "Die erste Priorität der SPÖ müsste daher sein, rasch Klarheit über die Parteiführung herzustellen."
Auf den ersten Blick erscheine der sogenannte "Zeiler-Effekt" begrenzt, so Hajek weiter. "Die Detailanalysen deuten jedoch auf ein deutlich größeres Potenzial hin. Derzeit ist Gerhard Zeiler lediglich gut einem Viertel der Befragten näher bekannt, weitere gut 40 Prozent kennen nur seinen Namen, während knapp ein Drittel ihn nicht kennt. Seine zentrale Herausforderung liegt somit darin, seine Bekanntheit zu erhöhen und ein klareres öffentliches Profil zu entwickeln."
Auch bei der (fiktiven) Frage nach der Bundeskanzler-Direktwahl bleiben die Auswirkungen eines Chefwechsels für die SPÖ überschaubar. Babler käme hier nur mehr auf elf (!) Prozent – ein unterirdischer Wert für einen amtierenden Vizekanzler. Gerhard Zeiler würden 15 Prozent direkt wählen, wenn das möglich wäre.
Überhaupt keine Auswirkung hätte ein solcher Wechsel auf das Ergebnis von FPÖ-Chef Herbert Kickl, der in beiden Szenarios überlegen vorne liegt.
Leichte Einbußen müssten bei einer Zeiler-Kandidatur dagegen ÖVP-Kanzler Christian Stocker (von 25 auf 23 Prozent) und Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger (von 16 auf 14 Prozent) hinnehmen.