Für viele sorgt das Eisbaden für den ultimativen Kick: Der Kopf wird klar, der Körper ist plötzlich hellwach, das Adrenalin schießt durch jede Ader. Kein Wunder, dass das Eisbaden gerade überall zu sehen ist. Doch was auf Social Media nach einem coolen Trend aussieht, ist für den Körper purer Ausnahmezustand. Denn eiskaltes Wasser bedeutet Stress – und dieser kann schneller gefährlicher werden, als viele glauben.
Wer schon einmal im wirklich kalten Wasser geschwommen ist, kennt diesen Moment: Der Atem stockt, die Brust fühlt sich eng an, plötzlich schnappt man unkontrolliert nach Luft. Dabei handelt es sich um einen echten Kälteschock, der unter anderem Hyperventilation und unkontrolliertes Atmen auslösen kann.
Wer hier die Kontrolle über die Atmung verliert, verliert im Wasser schnell mehr als nur seine "Coolness" – vor allem dann, wenn man alleine unterwegs ist oder sich überschätzt. Genau deshalb gilt die erste Minute beim Eisbaden als besonders kritisch.
Nach dem ersten Schock kühlt der Körper weiter aus, Hände und Beine werden steifer, Bewegungen langsamer – und trotzdem fühlt man sich am Anfang oft noch "stark". Das macht es tückisch. Das bekannte "1-10-1"-Prinzip beschreibt diese Phasen gut: etwa 1 Minute, um die Atmung zu kontrollieren, etwa 10 Minuten, in denen Kraft und Koordination deutlich nachlassen können, und danach steigt das Risiko, dass Unterkühlung gefährlich wird.
Kritisch wird es also spätestens dann, wenn man merkt, dass die Bewegungen nicht mehr sauber sind oder die Kraft plötzlich weg ist.
Richtig ernst wird es bei einer Unterkühlung: Mediziner sprechen davon, wenn die Körperkerntemperatur unter 35 Grad fällt. Dann geht es nicht mehr um "ein bisschen frieren", sondern um einen Zustand, in dem die Bewegung eingeschränkt ist und der Kreislauf instabiler wird.
Im eiskalten Wasser zu plantschen, ist nicht für jeden harmlos. Vor allem Menschen mit Herzproblemen sollten besonders vorsichtig sein, denn die plötzliche Kälte kann Puls und Blutdruck stark beeinflussen. Wer Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat oder unsicher ist, sollte deshalb lieber vorher ärztlich abklären, ob Eisbaden sicher ist.