Der Joghurtbecher ist leer, die Konservendose ausgespült, neben dem Mistkübel warten Karton und Glas auf ihren Abtransport. Doch was für die einen längst automatisch zum Alltag gehört, sorgt bei anderen immer wieder für Fragezeichen: In welchen Behälter gehört was – und wie genau muss eigentlich getrennt werden? Eine aktuelle Analyse von "Österreich sammelt" zeigt jetzt, dass dabei ausgerechnet das Alter einen deutlichen Unterschied macht.
Für die Analyse wurden mehrere Befragungen aus den Jahren 2025 und 2026 herangezogen. In einer Market-Erhebung aus dem Jahr 2025 gaben 85 Prozent der Menschen ab 50 Jahren an, im Alltag "sehr" auf die getrennte Sammlung von Abfällen und Verpackungen zu achten.
Bei den 16- bis 29-Jährigen sagten das lediglich 50 Prozent. Noch größer wird die Lücke bei der Abfallvermeidung: Während 67 Prozent der Älteren eigenen Angaben zufolge "sehr" darauf achten, möglichst wenig Mist zu produzieren, sind es bei den Jungen nur 24 Prozent.
Auch beim Wissen über die richtige Entsorgung schätzen sich ältere Menschen sicherer ein: 43 Prozent der Über-50-Jährigen bezeichneten ihren Informationsstand als "sehr gut", bei den 16- bis 29-Jährigen waren es 28 Prozent. Eine weitere Marketagent-Befragung Ende 2025 zeichnet ein ähnliches Bild: Beim Thema Gelbe Tonne und Gelber Sack fühlten sich 49 Prozent der Babyboomer "sehr gut" informiert, in der Generation Z waren es 29 Prozent.
Ganz so einfach lässt sich die Sache nicht erklären, denn aus einem geringeren selbst angegebenen Wissen oder weniger konsequenter Mülltrennung lässt sich nicht ableiten, dass jungen Menschen Umwelt- und Klimaschutz egal wären. Im Gegenteil: Laut Statistik Austria halten mehr als acht von zehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen persönlichen Beitrag zum Klimaschutz für wichtig. Damit unterscheiden sie sich in diesem Punkt kaum von der Gesamtbevölkerung.
Der Verhaltens- und Klimapsychologe Thomas Brudermann sieht eine mögliche Erklärung darin, mit welchen Umweltthemen unterschiedliche Generationen aufgewachsen sind. Für viele heute Ältere seien Mülltrennung und Abfallvermeidung schon früh zentrale Umweltthemen gewesen. Jüngere würden dagegen mit einer deutlich größeren Bandbreite an Klima- und Umweltfragen konfrontiert.
Dazu kommt: Wer in jungen Jahren häufiger umzieht oder zwischen unterschiedlichen Wohnorten lebt, kann auch öfter vor ganz praktischen Fragen stehen. Schließlich können sich Sammelsysteme und konkrete Vorgaben regional unterscheiden.
Einen weiteren Grund sieht Jugendforscherin Natalia Wächter von der Universität Graz in der jeweiligen Lebensphase. Solange Jugendliche bei ihren Eltern wohnen, wird die Mülltrennung im Haushalt häufig schlicht von anderen organisiert: "Junge Menschen müssen erst in Routinen wie die korrekte getrennte Sammlung von Abfällen hineinwachsen", erklärt Wächter. Wer später selbst für einen Haushalt verantwortlich ist, beschäftige sich zwangsläufig häufiger damit und sammle entsprechendes Wissen.
Und auch das Elternhaus spielt eine Rolle: "Wenn zu Hause nicht getrennt wird, woher soll man es lernen oder einüben?", gibt die Jugendforscherin zu bedenken.
Bei den Zahlen ist zudem ein wichtiger Punkt zu beachten: Gefragt wurde danach, wie die Menschen ihr eigenes Verhalten beziehungsweise Wissen einschätzen. Das muss nicht zwangsläufig exakt dem entsprechen, was tatsächlich im Mistkübel landet.
Brudermann weist darauf hin, dass gerade bei einem gesellschaftlich erwünschten Verhalten wie Mülltrennung auch soziale Erwartungen Antworten beeinflussen können. Ältere könnten ihr eigenes Verhalten dadurch positiver bewerten. Wie groß dieser Effekt tatsächlich ist, lässt sich anhand der Befragungen allerdings nicht feststellen.