Wenn sich am 12. August der Mond langsam vor die Sonne schiebt, werden Millionen Menschen den Blick nach oben richten. Die partielle Sonnenfinsternis zählt zu den beeindruckendsten Himmelsereignissen der vergangenen Jahre. Doch genau in diesem Moment lauert auch eine oft unterschätzte Gefahr: Wer ohne geeigneten Augenschutz in die Sonne blickt, riskiert bleibende Schäden.
Worauf es bei Sonnenfinsternisbrillen wirklich ankommt, verrät Augenoptiker und sehen!wutscher-CEO Fritz Wutscher jr. im Gespräch mit "Heute".
Viele glauben, dass die Sonne bei einer partiellen Sonnenfinsternis ohnehin nicht mehr so hell sei. Tatsächlich ist genau das ein gefährlicher Irrtum: "Auch wenn die Sonne zu fast 90 Prozent vom Mond verdeckt wird, bleibt der direkte Blick während der gesamten Sonnenfinsternis riskant", erklärt der Augenoptiker. Die intensive Sonnenstrahlung könne die Netzhaut weiterhin schwer schädigen.
Besonders tückisch: Die Netzhaut besitzt keine Schmerzrezeptoren. Wer zu lange in die Sonne blickt, bemerkt die Verletzung meist nicht sofort. Erst Stunden später können verschwommenes Sehen, blinde Flecken oder sogar bleibende Sehschäden auftreten.
Damit eine Sonnenfinsternisbrille zuverlässig schützt, sollte sie unbedingt bestimmte Sicherheitsstandards erfüllen. Entscheidend ist die Zertifizierung nach der Norm ISO 12312-2, die speziell für die direkte Sonnenbeobachtung gilt. Ebenso wichtig ist eine CE-Kennzeichnung, die in der EU vorgeschrieben ist.
Vor jeder Verwendung sollte außerdem kontrolliert werden, ob die Filterfolie Kratzer, Risse oder andere Beschädigungen aufweist.
Rund um die Sonnenfinsternis boomen günstige Angebote auf Online-Marktplätzen. Hier rät Wutscher jedoch zur Vorsicht: Immer wieder tauchen gefälschte Sonnenfinsternisbrillen auf, die zwar mit ISO- oder CE-Logos bedruckt sind, den erforderlichen Schutz aber nicht bieten. Die schädliche Sonnenstrahlung könne dadurch nahezu ungefiltert auf die Netzhaut treffen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte deshalb ausschließlich Produkte kaufen, deren Zertifizierung nachvollziehbar ist.
Als verlässliche Anlaufstellen gelten Fachoptiker, Planetarien oder Astronomie-Fachgeschäfte. Dort werden ausschließlich geprüfte Sonnenfinsternisbrillen verkauft, die den vorgeschriebenen Sicherheitsnormen entsprechen.
Ist kurzfristig keine zertifizierte Sonnenfinsternisbrille mehr erhältlich, gilt eine klare Regel: Niemals direkt in die Sonne schauen. Stattdessen empfiehlt der Augenoptiker sogenannte Lochprojektionen: Dabei wird ein kleines Loch in einen Karton gestochen und das Sonnenlicht projiziert anschließend das Bild der verfinsterten Sonne auf den Boden. Auch ein Küchensieb oder das Blätterdach eines Baumes erzeugen während einer Sonnenfinsternis zahlreiche kleine Sonnensicheln auf dem Boden – ganz ohne Gefahr für die Augen.
Eine normale Sonnenbrille, selbst wenn sie besonders dunkel ist, bietet keinen ausreichenden Schutz. Auch mehrere Sonnenbrillen übereinander verändern daran nichts. Ebenso ungeeignet sind getönte Folien, CDs, Röntgenbilder oder andere selbst gebastelte Lösungen.
Besonders gefährlich ist, dass Schäden an der Netzhaut zunächst oft unbemerkt bleiben. Erst später machen sie sich durch verschwommenes Sehen oder dunkle Flecken im Sichtfeld bemerkbar. Im schlimmsten Fall kann das zentrale Sehvermögen dauerhaft beeinträchtigt werden.