Fast jeder zweite Haushalt muss sich wegen gestiegener Energiekosten einschränken, knapp jeder fünfte kann laut aktueller EY-Umfrage die Rechnung nicht pünktlich zahlen. Dass Strom und Gas so teuer sind, ist für viele die größte Belastung, hier gebe es den dringendsten Handlungsbedarf.
Fakt ist: Die Energiekosten sind nach wie vor einer der Haupttreiber der Teuerung. Im Oktober verteuerte sich Energie insgesamt laut Statistik Austria um 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (nach plus 8,1 Prozent im September). Besonders krass schlagen sich die Stromkosten nieder – mit einer Steigerung von 35,9 Prozent (im September, verglichen mit dem Vorjahresmonat).
Die Stromrechnung setzt sich zu je einem Drittel aus Strompreis, Abgaben und Netzgebühr zusammen. Seit Jahresbeginn 2025 fallen die Strompreisbremse sowie einige Zuschüsse weg, aber Netzentgelte und Elektrizitätsabgabe wurden erhöht sowie Erneuerbaren-Beiträge wieder eingeführt. Daher schoss die Rechnung im Jahresvergleich in die Höhe.
Die Stromleitungen müssen zur verstärkten Integration der erneuerbaren Energien ausgebaut werden. Das kostet. 2026 steigen die Stromnetzentgelte erneut – im Österreich-Schnitt um 1,1 Prozent, in einigen Bundesländern deutlich mehr (vor allem im Burgenland und Niederösterreich). Beim Gas steigen die Netzgebühren sogar um durchschnittlich 18 Prozent.
„Hohe Energiekosten gefährden uns alle. Die Industrie und auch jeden einzelnen Haushalt.“Wolfgang HattmannsdorferWirtschafts- und Energieminister (ÖVP)
"Hohe Energiekosten gefährden uns alle", sagt VP-Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Diese zu senken und bei den Netzkosten zu entlasten, sei "oberste Aufgabe". Daher werde "in keinem Bereich derzeit so hart gearbeitet wie in der Energiepolitik".
Was tut die Politik nun gegen den anhaltenden Anstieg der Energierechnungen? Dank Gesprächen der Regierung sei es gelungen, dass die Regulierungsbehörde E-Control dem Stromnetzbetreiber APG die Nutzung eines Regulierungskontos erlaubt. Dort liegen Versteigerungserlöse von dem Vernehmen nach 125 Millionen Euro. Deshalb würden die Stromnetzgebühren im kommenden Jahr "nur" um durchschnittlich 1,1 Prozent steigen.
Da in einzelnen Bundesländern die Netzentgelte aber weit mehr steigen, könne das Ergebnis "nicht vollends zufriedenstellen" – es brauche weitere Maßnahmen, so Hattmannsdorfer.
Zwei große neue Energiegesetze liegen im Entwurf vor und haben die Begutachtungsphase hinter sich: das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (EIWG) und das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG). Beide sollen beitragen, die Stromrechnungen der Österreicher zu dämpfen. Die Gesetze brauchen im Nationalrat eine Zweidrittelmehrheit – die Dreierkoalition muss also FPÖ oder Grüne überzeugen.
Im Begutachtungsentwurf zum EIWG enthalten ist ein Sozialtarif (für Haushalte, die Mindestsicherung oder Pension mit Ausgleichszulage beziehen). Dieser vergünstigte Tarif (laut Vorschlag 6 Cent statt 15,5 Cent pro Kilowattstunde) soll 230.000 Haushalten jährlich 275 Euro ersparen.
Erstmals wird das EIWG auch Anreize schaffen, Strom flexibel so zu verbrauchen, dass es die Netze entlastet. So ist ein Sommer-Rabatt bei der Stromnetzgebühr geplant: 2026 soll es günstiger werden, in den Monaten April bis September zwischen 10 und 16 Uhr – wenn besonders viel Sonnenenergie produziert wird – Strom zu verbrauchen.
„Die schnellste Möglichkeit, die eigene Stromrechnung zu senken, ist der Anbieterwechsel.“Wolfgang HattmannsdorferWirtschafts- und Energieminister (ÖVP)
Außerdem appelliert Hattmannsdorfer, durch Anbieterwechsel zu sparen (rund 210 Euro jährlich bei Strom). Auf der Rechnung muss künftig zur Stärkung des Wettbewerbs ausdrücklich auf den Tarifkalkulator der E-Control verwiesen werden – auch das wird in dem neuen Gesetz (EIWG) festgeschrieben.
"Die schnellste Möglichkeit, die eigene Stromrechnung zu senken, ist der Anbieterwechsel", sagt Hattmannsdorfer: "Deshalb verpflichten wir die Energieunternehmen zu einem verpflichtenden Hinweis auf den Tarifkalkulator."
„Es geht nicht mehr um Klimaschutz um jeden Strompreis.“Wolfgang HattmannsdorferWirtschafts- und Energieminister (ÖVP)
Insgesamt vollziehe Österreich "eine Kurskorrektur in der Energiepolitik", erklärt Hattmannsdorfer gegenüber "Heute": "Es geht nicht mehr um Klimaschutz um jeden Strompreis. Wir brauchen Energie, die sicher, sauber und leistbar ist."
Darum gebe es ein klares Bekenntnis zum Ausbau erneuerbarer Energie: "Denn mehr Angebot schafft am Ende auch günstigere Preise", so der Minister.
Mit dem EABG soll die Umsetzung des Erneuerbaren-Ausbaus deutlich beschleunigt werden – unter anderem, indem Verfahren vereinheitlicht und Zuständigkeiten gebündelt werden. Bei der Errichtung kleiner Windparks beispielsweise könne so rund ein Jahr Zeit gewonnen werden, bei Stromleitungen bis zu drei Jahre.