Es war eine überraschende Einigung, die die Regierung am Mittwoch verkündete: Die Spritpreisbremse, die mit Ende September ausgelaufen wäre, wird verlängert – und ausgeweitet. Derzeit ersparen sich Autofahrer gerade einmal 1,9 Cent pro Liter Treibstoff. Ab 1. Oktober bis zumindest 30. November sollen es dann 12,2 Cent sein.
Wie berichtet setzt sich dieser Betrag aus zwei Faktoren zusammen: Einerseits wird die Mineralölsteuer um 6,7 Cent pro Liter reduziert. Zusätzlich gibt es einen Eingriff bei den Gewinnmargen der Ölkonzerne in Höhe von 3,5 Cent pro Liter.
Die Regierung verspricht, dass sich dadurch eine Tankfüllung um rund fünf Euro verbilligt. Kritik kam prompt aus der Wirtschaft, auch Experten erwarten auf längere Sicht sogar steigende Spritpreise. Aber was sagen eigentlich die Österreicher zu den absurd hohen Preisen an den Tankstellen? Und haben sie ihr Fahrverhalten dadurch geändert?
Das fragte "Unique Research" für "Heute" 500 Österreicher (online von 21. bis 24. September, maximale Schwankungsbreite ±4,4 Prozent). Die Ergebnisse zeigen: Die Menschen lassen immer öfter das Auto stehen. Nur 19 Prozent fahren so wie immer, spüren die Auswirkungen der Hochpreis-Phase also offenbar nicht.
Immerhin 26 Prozent der Befragten gaben an, dass sie aufgrund der hohen Preise weniger mit dem Auto unterwegs sind. Weitere 25 Prozent tanken mittlerweile bevorzugt zu Tageszeiten, an denen der Sprit etwas günstiger ist. Jeweils 23 Prozent suchen gezielt nach günstigeren Tankstellen oder fahren bewusster beziehungsweise sparsamer.
Am öftesten ihr Auto stehen lassen die Wähler der ÖVP (33 Prozent). Dahinter folgen Anhänger der Grünen (28 Prozent), FPÖ-Fans (26 Prozent), SPÖ-Wähler (25 Prozent) und Neos-Sympathisanten (23 Prozent).
DIe Variante Tanken zu günstigeren Tageszeiten wiederum ist bei SPÖ-Wählern mit 38 Prozent am beliebtesten. FPÖ-Anhänger suchen am ehesten nach günstigen Tankstellen (29 Prozent). Neos-Fans begegnen den hohen Spritpreisen ebenfalls am häufigsten mit der Suche nach günstigen Tankstellen (33 Prozent). Die Sympathisanten der Grünen gaben zu 44 Prozent an, sparsamer zu fahren.
„Man merkt, dass das Thema Spritpreis eine wichtige Rolle in vielen Haushalten spielt.“Peter HajekMeinungsforscher und Politik-Experte
Spannend: Zwischen den Geschlechtern gibt es nur wenige Unterschiede. Auffallend dabei ist besonders, dass Frauen mehr versuchen, sparsamer zu fahren als Männer und das Auto öfter stehen lassen. Sehr wohl verschiedene Herangehensweisen gibt es in den verschiedenen Altersgruppen. Personen ab 60 Jahren pfeifen am öftesten auf Fahrten mit dem Auto, 30- bis 59-Jährige machen sich bevorzugt auf die Suche nach "Schnäppchen"-Tankstellen. Bei jüngeren Befragten wiederum ist der Anteil jener, die ihr Verhalten gar nicht geändert haben, mit Abstand am geringsten. So gut wie keine Unterschiede gibt es nach dem Bildungsstand der Befragten.
Meinungsforscher und Politik-Experte Peter Hajek analysiert diese Ergebnisse kurz und bündig: "Man merkt, dass das Thema Spritpreis eine wichtige Rolle in vielen Haushalten spielt. Nur jeder Fünfte hat sein Tank- und Fahrverhalten nicht verändert."