Am 1. Mai feiert die SPÖ traditionell den "Tag der Arbeit". Aber vertritt die Sozialdemokratie tatsächlich noch die werktätige Bevölkerung? Das fragte "Unique Research" für "Heute" 500 Österreicher ab 16 Jahre (online, Befragungszeitraum 27. bis 29. April, maximale Schwankungsbreite ±4,4 Prozent).
Die Ergebnisse sind ähnlich desaströs für Parteichef Andreas Babler wie die berühmte Sonntagsfrage – und zwar vor allem bei relevanten Wählergruppen.
Demnach halten nur mehr 33 Prozent die SPÖ für die Vertreterin der Anliegen der Arbeiter. Gleich 57 Prozent sind gegenteiliger Meinung. Für 30 Prozent hat die Sozialdemokratie sogar "ganz sicher nicht" mehr den Vertretungsanspruch für diese Gruppe.
Wirklich überzeugt von ihrer Partei sind nur mehr die SPÖ-Wähler selbst. Obwohl: Auch in dieser Gruppe sagen 18 Prozent, dass die Roten "eher nicht" mehr die Vertretung der Werktätigen sind.
Bei den Anhängern der Grünen glauben 62 Prozent noch an diese typisch sozialdemokratische Rolle, 23 Prozent nicht. Bei Neos-Sympathisanten ist die Situation mit 47 Prozent zu 42 Prozent beinahe ausgeglichen. Deutlich schlechter ist das Bild bei Wählern der Volkspartei. Da halten nur 40 Prozent die SPÖ für die Vertreterin der sozialdemokratischen Anliegen.
Richtig desaströs ist das Image der Roten bei den Blauen. Von ihnen sind gleich 84 Prozent überzeugt, dass die SPÖ den Status der Verteterin der arbeitenden Bevölkerung verloren hat. 63 Prozent der FPÖ-Wähler sagen sogar: Sie vertritt ganz sicher nicht die Werktätigen.
Bei Männern ist das Arbeiter-Image der SPÖ etwas stärker als bei weiblichen Befragten. Dasselbe gilt für Befragte mit und ohne Matura. Vor allem letztere waren jahrzehntelang eine wichtige Wählergruppe für die Sozialdemokratie.
Ebenso besorgniserregend für Babler und Co.: Bei Personen zwischen 30 und 59 Jahren sind nur 32 Prozent der Meinung, dass die SPÖ noch die Rolle als Vertreterin der Werktätigen ausfüllt, 57 Prozent glauben das nicht (mehr).
Noch schlimmer stellt sich das Bild bei Befragten ab 60 Jahren dar: 68 Prozent halten die SPÖ nicht mehr für die Vertreterin des "kleinen Mannes" oder der "kleinen Frau".
Wie beurteilt der Meinungsforscher und Politik-Experte Peter Hajek von "Unique Research" diese Umfrage? "Die SPÖ hält seit geraumer Zeit bei der Sonntagsfrage unter der 20-Prozent-Marke. Nur mehr ein Drittel der Bevölkerung sieht in der SPÖ die Vertretung der Werktätigen."
Das habe verschiedene Gründe: "Die Gesellschaft hat sich von der Industrie- zur Dienstleitungsgesellschaft gewandelt. Damit kam der SPÖ ihre klassischen Zielgruppe der Arbeiterinnen und Arbeiter abhanden. Der verbliebene Rest dieser Wählergruppe wanderte in den vergangenen Jahrzehnten in größeren Teilen zur FPÖ, die gut gebildeten Jüngeren zu den Grünen oder auch NEOS."
Sein Befund ist ernüchternd für die Roten: "Die Sozialdemokratie hat das Problem, dass sie sich hauptsächlich über ihre – sehr erfolgreiche – Vergangenheit definiert. Das zeigt sich jedes Jahr am 1. Mai. So wurde eine ehemals moderne und zukunftsorientierte Partei zu einem strukturkonservativen Wahlverein."