Trends, Tabus & Traditionen

Josef oder Mohamed? So wandeln sich Österreichs Namen

Vornamen sind mehr als Geschmackssache. Sie zeigen Trends und spiegeln, wie sich unsere Gesellschaft verändert.
Heute Life
20.03.2026, 21:39
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Ein Name begleitet uns ein Leben lang. Er steht auf dem ersten Zeugnis, auf Bewerbungen – und oft auch für mehr als nur die eigene Identität. Denn Vornamen sind weit mehr als persönliche Entscheidungen. Sie spiegeln den Zeitgeist, Trends und gesellschaftliche Veränderungen wider. Wer genau hinsieht, kann an ihnen sogar ablesen, in welcher Zeit jemand geboren wurde.

Wenn Popkultur Namen prägt

Dass Namen Trends folgen, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Ende der 1980er-Jahre war "Kevin" in Österreich noch eine Seltenheit. 1989 wurden 249 Buben so genannt. Dann kam der Film "Kevin – Allein zu Haus" in die Kinos – und löste einen regelrechten Boom aus. Innerhalb weniger Jahre vervielfachte sich die Zahl der Neugeborenen mit diesem Namen.

Für die Soziologin Katharina Scherke von der Universität Graz ist das kein Zufall: "Popkulturelle Erscheinungen haben Einfluss auf die Namensgebung, dabei kommen und gehen Namen in Wellenbewegung", erklärt sie gegenüber der "Kleinen Zeitung".

Heute ist der Hype längst vorbei: 2024 wurden österreichweit nur noch acht Kinder Kevin genannt. .

Klassische Namen im Kommen

Während manche Namen verschwinden, feiern andere ein Comeback. Ein besonders auffälliges Beispiel ist Josef. Anfang der 2000er-Jahre wurde der traditionsreiche Name vergleichsweise selten vergeben. Heute erlebt er ein Comeback: 2024 wurden bereits 174 Buben so genannt – trotz insgesamt sinkender Geburtenzahlen.

Der Grund liegt laut Expertin im bewussten Gegensteuern: "Mit einem alten Namen heben sich Eltern ab, schwimmen bewusst gegen den Strom – auch das ist in gewisser Weise ein Trend." Der Trend zum Alten ist also etwas Neues.

Was erlaubt ist – und was nicht

Grundsätzlich haben Eltern in Österreich bei der Namenswahl viele Freiheiten. Es gilt: Erlaubt ist, was dem Kindeswohl nicht schadet und als Vorname erkennbar ist. Laut österreichischem Namensrecht muss zumindest der erste Vorname zum Geschlecht des Kindes passen.

Eine fixe Liste verbotener Namen gibt es nicht – dennoch greifen Standesämter ein, wenn es zu ausgefallen wird: Namen wie Nutella, Pumuckl, Sputnik oder Verleihnix wurden bereits abgelehnt. Auch der Name Judas durfte nicht eingetragen werden.

"Dass Vornamen abgelehnt werden, kommt sehr selten vor", erläutert Rita Hirner vom Referat für Personenstand im Land Steiermark im "Kleine Zeitung"-Interview. "Wenn Eltern vorhaben, einen außergewöhnlichen Namen für ihr Kind zu finden, werden sie meist schon vor der Geburt beim Standesamt vorstellig und klären ab, ob dieser zulässig ist oder nicht."

Können sich die Eltern nicht entscheiden, vergibt das Pflegschaftsgericht einen Namen – und orientiert sich dabei in der Regel an bekannten und gebräuchlichen Namen.

Migration und Vielfalt im Namen

Namen sind auch ein Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen: Migration und Internationalisierung zeigen sich deutlich in den Geburtsregistern. So wurden etwa 2016 rund 60 Kinder in Österreich "Mohammad" genannt. In Wien summierten sich 2024 – inklusive verschiedener Schreibweisen – sogar 113 Mohameds. Damit liegt der Name auf Platz zwei der beliebtesten Vornamen in der Hauptstadt.

Auch bei Mädchennamen zeigt sich diese Vielfalt: "Sophia" zählt österreichweit zu den beliebtesten Namen. Berücksichtigt man alle Varianten wie "Sofia", würde der Name sogar den ersten Platz belegen.

Aktuell führen "Elias" bei den Burschen und "Emilia" bei den Mädchen die Ranglisten an – klassische Namen mit internationalem Klang.

Wenn Namen zu Tabus werden

Doch nicht jeder Name hat die Chance auf ein Comeback. Manche sind so stark historisch belastet, dass sie kaum mehr vergeben werden. Ein bekanntes Beispiel ist "Adolf".

Zwar taucht der Name vereinzelt noch auf – 2024 wurde wieder ein Kind so genannt –, doch er bleibt die Ausnahme. Für Scherke ist klar: "So wie manche Namen von Prominenten inspiriert und dadurch populär werden, gibt es auch Gegenbeispiele von tabuisierten Namen. Adolf ist im deutschsprachigen Raum ein Beispiel für einen derart belasteten Vornamen."

{title && {title} } red, {title && {title} } 20.03.2026, 21:39
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