Leberkäse?

Warum manche Pferde tabu für die Küche sind

Ein kleines Kreuz in einem Dokument entscheidet über die gesamte Zukunft eines Tieres. Für den Verzehr von Pferdefleisch gibt es strenge Regeln.
Heute Life
13.06.2026, 17:49
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Klingt skurril, ist aber Realität: Ob ein Pferd in der Küche landen darf, steht in einem offiziellen Dokument. Dieser Eintrag entscheidet über die medizinische Versorgung und die Zukunft der edlen Tiere.

Jedes Pferd hat in der EU einen sogenannten Equidenpass. Darin steht nicht nur die Lebensnummer oder das Alter, sondern auch eine überraschend wichtige Ergänzung: Ist das Pferd "zur Schlachtung für die Lebensmittelgewinnung bestimmt" oder eben nicht. Dieser Eintrag ist endgültig. Wird es einmal als "Nicht-Schlachttier" markiert, bleibt das auch für immer so.

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Mehr als nur Bürokratie

Der Hintergrund dieser Regelung ist vor allem der Verbraucherschutz. Im Laufe ihres Lebens werde Pferde oft medizinisch behandelt. Viele dieser Medikamente sind nicht für die Lebensmittelproduktion zugelassen. Wenn ein Pferd also als "Nicht-Schlachttier" deklariert ist, können auch stärkere oder länger wirksame Medikamente eingesetzt werden.

Bei Tieren, die für die Lebensmittelkette vorgesehen sind, sind Tierärzte in der Behandlung deutlich eingeschränkter. Jede Behandlung muss so erfolgen, dass mögliche Rückstände im Fleisch ausgeschlossen werden können.

Keine Lebensversicherung

Der Eintrag im Pass ist jedoch kein absoluter Schutz vor dem Schlachter. Auch "Nicht-Schlachtpferde" dürfen weiterverkauft und theoretisch geschlachtet werden. Nur ihr Fleisch darf nicht in die Lebensmittelproduktion gelangen.

In Österreich eine Seltenheit

In Österreich ist der Verzehr von Pferdefleisch sehr gering. Pro Jahr werden laut Statistik Austria rund 300 Pferde für den menschlichen Verzehr geschlachtet. Im Vergleich zu anderen Nutztieren ist das verschwindend wenig. Der Trend ist seit Jahren rückläufig. Dabei gilt Pferdefleisch in vielen Ländern als besonders hochwertig.

Dass Pferdefleisch früher in Wien weit verbreitet war, hat einen einfachen Grund: Die Stadt war voller Pferde. Als Fiaker, Bierwägen und sogar Straßenbahnen noch von Pferden gezogen wurden, fielen viele Tiere nach ihrem Arbeitsleben als Fleischlieferanten an. Pferdefleisch galt zudem als günstiges "Arme-Leute-Essen". Mit der Erfindung des Motors verschwand das Pferd aus dem Alltag vieler Menschen und damit auch weitgehend vom Speiseplan der Österreicher.

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