Morgens schnell die Zahnbürste gezückt, abends noch einmal gründlich geputzt – und schon ist die Mundhygiene erledigt. Zumindest glauben das viele. Denn während wir unsere Zähne gewissenhaft schrubben, lassen wir einen entscheidenden Schritt gerne aus: die Zahnseide. Dabei könnte ausgerechnet dieser unscheinbare Faden weit mehr bewirken als nur ein schönes Lächeln: Studien legen sogar nahe, dass regelmäßige Zahnzwischenraumpflege mit einem längeren Leben zusammenhängen könnte.
Ob elektrische Zahnbürste oder klassische Handzahnbürste: Selbst gründliches Putzen erreicht nicht jede Stelle im Mund. Besonders zwischen den Zähnen bleiben häufig Speisereste und bakterielle Beläge zurück. Auf TikTok machte zuletzt die Behauptung die Runde, dass die Zahnbürste allein nur rund 60 Prozent der Zahnflächen reinige.
Wer diese nicht regelmäßig reinigt, riskiert, dass sich Plaque ansammelt: Die Folge können Zahnfleischentzündungen, Karies und langfristig sogar Parodontitis sein.
Doch die Gesundheit deiner Zähne betrifft nicht nur den Mund. Entzündliche Erkrankungen des Zahnfleisches werden auch mit gesundheitlichen Problemen im restlichen Körper in Verbindung gebracht. Eine im "Journal of Aging Research" veröffentlichte Beobachtungsstudie fand etwa einen Zusammenhang zwischen regelmäßiger Zahnseidenutzung und einem geringeren Sterberisiko.
Auch dein Herz könnte profitieren: Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine gute Zahnzwischenraumpflege mit günstigeren Entzündungswerten und einem niedrigeren Risiko für bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sein kann.
Besonders interessant sind Forschungsergebnisse, die der Mediziner Souvik Sen bei einer Tagung der American Stroke Association vorstellte. Demnach war regelmäßige Zahnseidenutzung mit einem geringeren Risiko für bestimmte Schlaganfallformen und Vorhofflimmern verbunden.
Allerdings ist Vorsicht geboten: Solche Beobachtungsstudien können Zusammenhänge aufzeigen, aber nicht beweisen, dass Zahnseide tatsächlich dein Leben verlängert oder Schlaganfälle verhindert. Auch Ernährung, Bewegung und andere Gesundheitsfaktoren spielen eine wichtige Rolle.
Damit die Reinigung wahrlich etwas bringt, kommt es auf die richtige Technik an. Nimm dafür etwa 40 bis 50 Zentimeter Zahnseide und wickle die Enden um deine Mittelfinger. Führe den gespannten Faden vorsichtig zwischen zwei Zähne und lege ihn C-förmig um die Zahnoberfläche. Anschließend bewegst du ihn sanft auf und ab, ohne dabei ins Zahnfleisch zu schneiden. Für den nächsten Zwischenraum verwendest du ein frisches Stück.
Bei größeren Zahnzwischenräumen können auch Interdentalbürsten sinnvoll sein. Welche Methode am besten zu deinen Zähnen passt, kannst du bei deinem Zahnarzt erfragen.