Erkältungs-Mythos im Check

Macht uns die Kälte wirklich krank? Expertin klärt auf

Kaum sinken die Temperaturen, steigt die Angst vor der nächsten Erkältung. Doch ist die Kälte allein wirklich schuld?
13.10.2026, 14:46
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Der Wind pfeift durch die Straßen, die Temperaturen sinken und die Nase beginnt zu laufen. Spätestens jetzt hört man wieder die gut gemeinte Warnung: "Zieh dich warm an, sonst wirst du krank!" Vielleicht hat man die Jacke tatsächlich zu Hause vergessen oder ist mit noch feuchten Haaren hinausgegangen. Und wenn wenige Tage später der Hals kratzt, scheint die Ursache schnell gefunden.

Doch kann man sich wirklich erkälten, nur weil man friert? Oder geben wir der Kälte seit Generationen die Schuld für etwas, das ganz andere Ursachen hat?

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"Die Kälte ist kein Krankheitserreger"

Die Antwort dürfte viele überraschen. Denn so unangenehm eisige Temperaturen auch sein können: Eine Erkältung lösen sie nicht unmittelbar aus: "Die Kälte ist kein Krankheitserreger", stellt Mag. Tina Werner, wissenschaftliche Leiterin der Initiativen zur Frauengesundheit bei Pure Encapsulations, im "Heute"-Interview klar.

Hinter einer klassischen Erkältung stecken Viren, die über die Atemwege in den Körper gelangen: Wer also ohne Haube oder mit einer zu dünnen Jacke unterwegs ist, wird nicht allein deshalb krank. Trotzdem ist es kein Zufall, dass gerade im Herbst und Winter besonders viele Menschen husten, schnupfen und sich angeschlagen fühlen.

Warum wir jetzt trotzdem öfter krank werden

Wenn es draußen kalt und ungemütlich wird, zieht es uns nach drinnen. Statt im Freien verbringen wir mehr Zeit in Büros, Klassenzimmern, Öffis oder gemütlichen Wohnzimmern. Dort sitzen Menschen oft dicht beieinander. Wird wenig gelüftet, können sich infektiöse Atemwegspartikel in der Raumluft ansammeln. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, mit Erkältungsviren in Kontakt zu kommen.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor, auf den auch Werner aufmerksam macht: trockene Heizungsluft. Unsere Schleimhäute in Nase und Rachen bilden normalerweise eine wichtige Schutzbarriere gegen Krankheitserreger. Trocknen sie aus, kann ihre natürliche Abwehrfunktion beeinträchtigt werden.

Auch kalte Luft kann die lokalen Abwehrmechanismen der Nase beeinflussen. Die niedrigen Temperaturen machen also nicht selbst krank, können eine Infektion unter bestimmten Bedingungen aber begünstigen.

Mit nassen Haaren raus – ist das gefährlich?

Besonders hartnäckig hält sich der Mythos, dass man mit feuchten Haaren auf keinen Fall das Haus verlassen sollte: Tatsächlich kühlt der Kopf durch nasse Haare schneller aus. Eine Erkältung entsteht dadurch aber nicht automatisch. Dafür muss man sich zunächst mit einem entsprechenden Virus infizieren.

Dasselbe gilt für kalte Füße oder eine vergessene Jacke. Wer friert, fühlt sich vielleicht unwohl – eine Garantie für Schnupfen ist das allerdings nicht. Das bedeutet aber nicht, dass warme Kleidung überflüssig wäre: Sie schützt vor unangenehmer Auskühlung und bei extremer Kälte auch vor ernsthaften gesundheitlichen Folgen.

Diese einfachen Gewohnheiten schützen wirklich

Wer möglichst gesund durch die kalte Jahreszeit kommen möchte, sollte deshalb nicht nur auf Schal, Haube und Winterjacke setzen. Wichtiger ist es, das Ansteckungsrisiko im Alltag zu reduzieren. Regelmäßiges Händewaschen, gründliches Lüften und Abstand zu offensichtlich erkrankten Personen können dabei helfen. Auch ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung unterstützen die normale Funktion des Immunsystems. In vollen Innenräumen kann eine gut sitzende Maske zusätzlichen Schutz bieten.

Und wer bereits krank ist, sollte sich möglichst auskurieren, statt sich mit letzter Kraft durch den Alltag zu schleppen.

red, 13.10.2026, 14:46
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