Morgens ist die Nase verstopft, beim Frühstück kommt der erste Huster – und plötzlich steht die Frage im Raum, die Eltern jeden Herbst beschäftigt: Kann mein Kind so in die Schule oder den Kindergarten? Nicht jedes Schnupfenkind muss automatisch zu Hause bleiben. Bei einigen Symptomen ziehen Kinderärzte allerdings eine klare Grenze.
Bernhard Jochum, Obmann der Bundesfachgruppe Kinder- und Jugendheilkunde in der Österreichischen Ärztekammer, bemerkt im "Heute"-Interview bereits einen Anstieg. Gerade bei Kleinkindern gebe es inzwischen deutlich mehr Erkrankungen, derzeit handle es sich meist um harmlose Infektionen der oberen Atemwege.
Dass sich Viren nach dem Start von Kindergarten und Schule wieder leichter verbreiten, überrascht den Arzt nicht. "Gruppenbildung von Kindern, insbesondere von Kleinkindern, sind in der Tat 'Infektionsküchen'", sagt Jochum. Treffen viele Kinder täglich auf engem Raum zusammen, haben Krankheitserreger entsprechend leichtes Spiel. Zusätzlich spiele das herbstliche Wetter eine Rolle.
Wie stark die bevorstehende Infektionswelle tatsächlich ausfällt, könne allerdings niemand sicher vorhersagen. Entscheidend sei unter anderem, wann die diesjährige Influenza-Welle beginnt.
Die Wiener Kinderfachärztin Verena Buchner von der Kinderarztpraxis Schumanngasse beobachtet hingegen noch keinen generellen Anstieg durch den Schul- und Kindergartenstart. Etwas häufiger sehe sie derzeit allerdings Laryngitis beziehungsweise Pseudokrupp. Dabei handelt es sich um eine größtenteils durch Viren ausgelöste Entzündung im Kehlkopfbereich, die bei Kleinkindern unter anderem bellenden Husten, Heiserkeit und Atemprobleme verursachen kann.
Doch wann darf ein verschnupftes Kind überhaupt noch in die Gruppe? Buchner gibt Eltern eine einfache Orientierung: "Bei respiratorischen Infekten ohne Fieber und in gutem Allgemeinzustand spricht nichts gegen Kindergarten oder Schulbesuch."
Auch Jochum warnt vor zu starren Regeln. Gerade Drei- bis Fünfjährige hätten häufig Infekte. Würde jedes leicht erkrankte Kind ausgeschlossen, wären Betreuungseinrichtungen in der Erkältungssaison kaum praktikabel. Neben den Symptomen spielen allerdings auch die jeweiligen Vorgaben der Schule oder des Kindergartens eine Rolle.
In einem Punkt sind sich die Mediziner einig: Ein fiebriges Kind gehört nicht in Schule oder Kindergarten. Buchner nennt Temperaturen über 38,5 Grad, einen deutlich reduzierten Allgemeinzustand, wenig Trinken und erschwerte Atmung als Gründe, das Kind zu Hause zu lassen und kinderärztlichen Rat einzuholen. Auch starker, dauerhafter Husten oder ein sehr ausgeprägter Schnupfen sprechen laut Jochum eher für einen Tag daheim.
Eine praktische Faustregel liefert Buchner ebenfalls: 24 Stunden fieberfrei, bevor es wieder in Schule oder Kindergarten geht. Dabei gehe es nicht nur um mögliche Ansteckung: "Die Kinder brauchen in dieser Phase ihre Eltern und vermehrte Fürsorge und Kuscheln."
Dringend ärztlich untersucht werden sollten laut Jochum Kinder mit hohem Fieber, das auf fiebersenkende Mittel nicht anspricht, oder wenn sie nicht mehr ausreichend trinken. Auch ungewöhnliche Schläfrigkeit oder mangelnde Aufmerksamkeit sind Warnzeichen. Vor allem bei kleinen Kindern wiegen solche Symptome schwerer. Im Zweifel rät Jochum Eltern deshalb, lieber einmal zu viel als einmal zu wenig ärztlichen Rat einzuholen.