Der Joghurt ist geöffnet – und bevor der erste Löffel im Becher landet, wartet oben bereits der heimliche Lieblingshappen: eine dünne Schicht Joghurt direkt auf dem Deckel. Also einmal darüberlecken und bloß nichts verschwenden. Was viele seit ihrer Kindheit machen, galt mindestens genauso lange als angeblich gefährlich. Schließlich besteht der Deckel aus Aluminium. Aber nimmt man beim Ablecken tatsächlich das Metall auf?
Aluminium begegnet uns nicht nur bei Verpackungen. Das Leichtmetall kann über Lebensmittel, bestimmte Küchenutensilien, Kosmetika oder Arzneimittel aufgenommen werden. Zu hohe Mengen sind gesundheitlich unerwünscht.
Laut der Verbraucherzentrale kann eine langfristig hohe Aufnahme unter anderem Nieren, Leber und Knochen belasten. Aluminium kommt dabei natürlicherweise oder durch Verarbeitung in verschiedenen Lebensmitteln vor. Höhere Gehalte wurden beispielsweise in Gewürzen, Tee, Muscheln, Ölsaaten, Kakao und kakaohaltigen Produkten gemessen.
Zusätzlich kann Aluminium aus ungeeigneten Verpackungen oder Küchengegenständen auf Lebensmittel übergehen. Besonders bei stark sauren oder salzigen Speisen ist deshalb Vorsicht geboten.
Wer jetzt erschrocken auf seinen Frühstücksjoghurt blickt, kann sich zunächst entspannen. Zwar bestehen viele klassische Joghurtdeckel aus Aluminium, das Lebensmittel berührt das Metall aber normalerweise nicht direkt. Auf der Innenseite befindet sich eine dünne Kunststoffbeschichtung. Sie dient als Barriere zwischen Joghurt und Aluminium – und kommt einem auch beim Ablecken zugute.
Ganz unverwundbar ist diese Schutzschicht allerdings nicht: "Wird die Kunststoffschicht durch das Abkratzen mit einem Löffel oder durch Ablecken beschädigt, kann sich allerdings Aluminium aus dem Joghurtdeckel lösen", erklärt Benjamin Schiller vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA) gegenüber "ÖKO-TEST".
Das klingt zunächst wenig appetitlich. Doch Schiller zufolge besteht deshalb noch kein Grund zur Sorge. Die Menge an Aluminium, die sich dabei lösen kann, sei derart gering, "dass eine gesundheitliche Beeinträchtigung sicher auszuschließen" sei. Wer hin und wieder den Joghurt vom Deckel schleckt, muss sich also nicht vor einer gefährlichen Aluminiumdosis fürchten. Trotzdem ist es sinnvoll, die Beschichtung nicht unnötig mit dem Löffel zu zerkratzen.
Ausgerechnet das Aluminium ist beim Ablecken nämlich nicht unbedingt das größte Problem. Viel unmittelbarer kann der scharfe Rand des Deckels werden: Beim Öffnen oder Abziehen können Kanten entstehen, an denen man sich mit Zunge oder Lippen schneiden kann. Wer den letzten Rest Joghurt unbedingt erwischen möchte, fährt deshalb mit einem Löffel meist besser, solange damit nicht minutenlang über die Beschichtung geschabt wird.