Ein paar Tage nicht hingeschaut – und plötzlich ist es passiert: Zwischen den sattgrünen Blättern der Minze zeigen sich kleine rosa, violette oder weiße Blüten. Was im Garten und auf dem Balkon hübsch aussieht und Bienen anlockt, sorgt in der Küche schnell für Unsicherheit. Kann die Pfefferminze jetzt noch in den Tee, die Limonade oder den Mojito? Oder sollte man nach der Blüte besser die Finger von den Blättern lassen?
Minze zählt zu den unkompliziertesten Küchenkräutern und gedeiht selbst bei Hobbygärtnern ohne besonders grünen Daumen. Je nach Sorte und Standort erscheinen zwischen Mai und September die kleinen Blüten. Häufig blüht die Pflanze sogar zweimal: zunächst im Frühsommer und später noch einmal im August oder September.
Mit der Blüte setzt die Minze allerdings neue Prioritäten. Statt ihre gesamte Energie in neue, aromatische Blätter zu stecken, investiert sie nun einen großen Teil ihrer Kraft in Blüten und später in Samen. Dadurch nimmt die Intensität der Blätter ab. Sie schmecken weniger frisch und enthalten nicht mehr dieselbe Aromafülle wie unmittelbar vor der Blüte. Ungenießbar werden sie aber nicht: Minze wird durch ihre Blüte nicht plötzlich giftig und kann weiterhin geerntet und verwendet werden.
Was viele nicht wissen: Auch Knospen und Blüten der Minze sind essbar. Geschmacklich können sie mit den kräftigen Blättern zwar kaum mithalten, dafür machen sie optisch einiges her. Sie eignen sich beispielsweise als Dekoration für Desserts und sommerliche Getränke oder können gemeinsam mit den Blättern für Tee verwendet werden.
Wer möglichst intensives Minz-Aroma möchte, sollte allerdings schon vor der Blüte zur Schere greifen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Konzentration der ätherischen Öle besonders hoch. Regelmäßiges Zurückschneiden kann außerdem dafür sorgen, dass sich die Blüte hinauszögert.
Grundsätzlich lässt sich Minze vom Frühjahr bis zum ersten Frost ernten. Besonders geeignet ist ein trockener, sonniger Tag. Idealerweise schneidet man die Pflanze am späten Vormittag, wenn der Morgentau verschwunden ist.
Statt immer nur einzelne Blätter abzuzupfen, können ganze Triebe geschnitten werden. Ist die Blüte vorbei, darf die Pflanze kräftig zurückgeschnitten werden – bis auf etwa fünf Zentimeter. Keine Sorge: Minze ist ausgesprochen wuchsfreudig und treibt meist rasch wieder frisch aus. Wer nicht alles sofort verbraucht, kann die Ernte außerdem trocknen. Dafür die Stängel locker bündeln und für etwa zwei bis drei Wochen an einem warmen, luftigen Platz ohne direkte Sonne aufhängen.
Im Alltag werden beide Begriffe gerne gleichgesetzt, botanisch gibt es jedoch Unterschiede. "Minze" bezeichnet eine ganze Pflanzengattung mit zahlreichen Arten und Sorten – darunter Grüne Minze, Apfelminze oder Marokkanische Minze. Die Echte Pfefferminze entstand dagegen aus einer Kreuzung verschiedener Minzarten und fällt besonders durch ihren hohen Mentholgehalt auf. Genau der sorgt für das typische kühlende, intensive Aroma.
Dass ein Kraut blüht, bedeutet grundsätzlich nicht automatisch, dass es ungenießbar wird. Häufig verändert sich lediglich der Geschmack, weil die Pflanze ihre Energie in Blüten und Samen steckt. Basilikum, Schnittlauch, Salbei oder Koriander können beispielsweise weiterhin verwendet werden, schmecken während und nach der Blüte jedoch häufig weniger intensiv.
Bei Petersilie ist hingegen Vorsicht geboten: Sie sollte nach Beginn der Blüte nicht mehr gegessen werden. Auch bei Borretsch und Waldmeister gelten besondere Einschränkungen.