Wochenlang hast du gegossen, gepflegt und auf die erste Ernte gewartet. Dann endlich hängen die Tomaten rot und prall am Strauch – doch plötzlich zieht sich ein tiefer Riss durch die Frucht. Besonders bitter ist das, wenn die Tomate noch nicht einmal richtig reif ist.
Geplatzte Tomaten sind im Sommer ein häufiges Ärgernis. Komplett verhindern lassen sich die Risse nicht immer, denn auch das Wetter spielt eine entscheidende Rolle. Mit ein paar einfachen Tricks kannst du das Risiko allerdings deutlich reduzieren.
Einer der häufigsten Auslöser sind starke Schwankungen bei Temperatur und Wasserversorgung. Laut der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen können Tomaten etwa auf einen plötzlichen Temperaturabfall nach einer längeren Wärme- oder Hitzeperiode mit Rissen reagieren. Gerade gegen Ende des Sommers wird das zum Problem: Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler – während gleichzeitig viele Tomaten ihre entscheidende Reifephase erreichen.
Noch häufiger steckt allerdings Wasser dahinter. Folgt auf längere Trockenheit plötzlich heftiger Regen, nehmen die Wurzeln in kurzer Zeit große Mengen davon auf. Die Pflanze kann das Wasser über ihre Blätter nicht schnell genug wieder abgeben. Die Früchte nehmen rasch an Volumen zu, ihre Haut hält dem Druck nicht stand – und platzt.
Genau dieser Effekt kann auch entstehen, wenn du selbst zur Gießkanne greifst. Nach mehreren heißen Tagen den ausgetrockneten Pflanzen besonders viel Wasser zu gönnen, klingt zwar fürsorglich, kann aber nach hinten losgehen. Statt zwischen Trockenheit und regelrechten Wasserduschen zu wechseln, solltest du deine Tomaten möglichst gleichmäßig versorgen. Entscheidend ist eine konstante Bodenfeuchtigkeit.
Unter normalen Bedingungen genügt häufig einmal tägliches Gießen, idealerweise am frühen Morgen. Während großer Hitze kann zusätzliches Wässern am Abend nötig werden. Ein fixer Rhythmus hilft dabei, extreme Schwankungen zu vermeiden.
Ob deine Pflanzen tatsächlich Durst haben, kannst du ohne Hilfsmittel überprüfen. Stecke dafür einen Finger etwa zwei bis drei Zentimeter tief in die Erde. Fühlt sie sich dort noch feucht an, kannst du mit dem nächsten Gießen warten. Ist der Boden bereits angetrocknet, wird es Zeit für Wassernachschub. So verhinderst du, dass du aus Gewohnheit gießt, obwohl die Pflanze noch ausreichend versorgt ist.
Wer seine Tomaten in einem Gewächshaus oder unter einem geeigneten Regenschutz zieht, kann zudem verhindern, dass Starkregen die Wasserversorgung plötzlich aus dem Gleichgewicht bringt.
Doch nicht nur beim Gießen ist Fingerspitzengefühl gefragt. Selbst gut gemeinte Pflanzenpflege kann Risse begünstigen. Ein Beispiel ist das sogenannte Ausgeizen, bei dem Seitentriebe entfernt werden.
Wer zu viele Triebe und Blätter beseitigt, kann den Wasserhaushalt der Pflanze stören. Denn über ihre Blätter gibt die Tomate Wasser durch Verdunstung ab. Bleiben zu wenige davon übrig, kann die Pflanze aufgenommene Feuchtigkeit schlechter regulieren – und der Druck in den Früchten steigt.
Auch nach dem Motto "viel hilft viel" zu düngen, ist keine gute Idee. Tomaten benötigen zwar unter anderem Stickstoff für ihr Wachstum, ein Überschuss kann jedoch problematisch werden. Wachsen die Früchte zu schnell, kann ihre Haut mit der Entwicklung möglicherweise nicht Schritt halten. Die Folge sind erneut unschöne Risse. Dünger solltest du deshalb bedarfsgerecht und nach den jeweiligen Anwendungshinweisen einsetzen.
Ab Mitte August kann es außerdem, abhängig von Sorte und Standort, sinnvoll sein, die Triebspitzen zu entfernen. Dadurch steckt die Pflanze mehr Energie in bereits vorhandene Früchte, statt immer weiter neue Triebe und Blüten zu bilden.
Entdeckst du eine bereits reife Tomate mit einem frischen Riss, solltest du sie möglichst rasch ernten. Durch die offene Stelle können Feuchtigkeit und Mikroorganismen leichter eindringen, wodurch die Frucht schneller verderben kann. Ist sie ansonsten einwandfrei, kann eine frisch aufgeplatzte Tomate häufig noch zeitnah verarbeitet werden. Zeigt sie dagegen Schimmel, Fäulnis oder einen auffälligen Geruch, gehört sie nicht mehr auf den Teller.