Eine Walnuss sieht verblüffend aus wie ein kleines Gehirn. Schneidet man eine Tomate auf, erinnert sie an ein Herz. Und auch eine Karotte ähnelt im Querschnitt einem Auge. Zufall oder steckt mehr dahinter? Seit Jahrhunderten hält sich die Vorstellung, dass Lebensmittel genau jene Organe stärken, denen sie optisch ähneln. Doch was sagt die Wissenschaft dazu?
Die Idee stammt aus der sogenannten Signaturenlehre: Sie geht davon aus, dass Pflanzen durch ihr Aussehen Hinweise darauf geben, wofür sie besonders gut sind. Eine Walnuss soll das Gehirn unterstützen, Tomaten dem Herzen helfen und Karotten die Augen stärken. In den sozialen Medien erlebt diese jahrhundertealte Theorie derzeit ein Comeback, wissenschaftlich belegt ist sie jedoch nicht.
Mit ihren mehreren Kammern erinnert eine aufgeschnittene Tomate tatsächlich an ein Herz. Und wirklich enthält sie mit Lycopin einen Pflanzenstoff, der intensiv erforscht wird. Lycopin wirkt antioxidativ und kann freie Radikale im Körper unschädlich machen. Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit einer höheren Lycopin-Aufnahme seltener Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln. Vermutet wird, dass der Stoff die Blutgefäße schützt und Entzündungsprozesse hemmt.
Auch ein möglicher Schutz vor bestimmten Krebsarten, etwa Prostatakrebs, wird untersucht. Eindeutige Beweise dafür gibt es bislang allerdings nicht.
Der Querschnitt einer Karotte erinnert mit etwas Fantasie an eine Iris mit Pupille. Kein Wunder also, dass sich hartnäckig das Sprichwort hält, Karotten würden die Sehkraft verbessern.
Tatsächlich steckt in ihnen reichlich Beta-Carotin, aus dem der Körper Vitamin A bildet. Dieses Vitamin ist für eine normale Funktion der Netzhaut unverzichtbar. Zusätzlich liefern Karotten die Pflanzenstoffe Lutein und Zeaxanthin, die die empfindliche Makula im Auge schützen können. Wer jedoch bereits ausreichend Vitamin A aufnimmt, sieht durch zusätzliche Karotten nicht automatisch besser. Sie helfen vielmehr dabei, die normale Augengesundheit zu erhalten.
Kaum ein Lebensmittel erinnert so sehr an ein Organ wie die Walnuss an das menschliche Gehirn. Zufall oder nicht – ernährungsphysiologisch hat sie tatsächlich einiges zu bieten.
Walnüsse enthalten pflanzliche Omega-3-Fettsäuren, Vitamin E und zahlreiche Antioxidantien. Mehrere Studien legen nahe, dass diese Kombination Gedächtnis, Konzentration und andere geistige Funktionen positiv beeinflussen könnte. Ob Walnüsse wahrlich vor Demenz oder Alzheimer schützen, ist derzeit jedoch noch nicht wissenschaftlich bewiesen.
Auch Ingwer wird häufig der Signaturenlehre zugeordnet. Seine knollige Form erinnert manche an einen Magen – und tatsächlich wird die Wurzel seit Jahrhunderten gegen Übelkeit eingesetzt.
Heute weiß man, dass vor allem die enthaltenen Gingerole dafür verantwortlich sind. Besonders gut untersucht ist die Wirkung bei Schwangerschaftsübelkeit. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Ingwer die Magenentleerung beschleunigen und dadurch Völlegefühl lindern kann.