"So viel sparen Autofahrer"

Neue Pickerl-Regeln fix: Minister nennt alle Details

Rund 360 € sparen Autofahrer dank längerer Pickerl-Intervalle, so Minister Hanke im "Heute"-Talk. Und: Höhere Strafen für Raser, mehr Saft für E-Autos
Angela Sellner
10.07.2026, 05:30
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Diese Woche wurden im Parlament einige wichtige Neuerungen für den Straßenverkehr beschlossen. Minister Peter Hanke (SPÖ) erklärt die Reform beim Pickerl, mit der sich Autofahrer künftig bis zu 360 Euro ersparen.

Im "Heute"-Interview spricht Hanke außerdem über höhere Strafen für Raser (bis zu 6.000 Euro) ab 2027, eine große Offensive für die E-Mobilität sowie millionenschwere Anti-Krisen-Maßnahmen für die Luftfahrt. Und er redet Klartext, dass Österreich und Europa "bei kritischer Infrastruktur unabhängiger und selbstbestimmter werden müssen". Was auch heiße, künftig weniger in China einzukaufen.

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Das "Heute"-Interview

"Heute": Herr Minister, die neue Pickerl-Regelung wurde jetzt im Nationalrat beschlossen. Was ändert sich konkret?

Peter Hanke: Bisher galt beim Pickerl die 3-2-1-Regelung – die erste Überprüfung nach drei Jahren, dann wieder nach zwei Jahren und danach jährlich. Künftig lautet das System 4-2-2-2-1. Die erste Überprüfung kommt also nach vier Jahren, danach dreimal alle zwei Jahre und ab dem zehnten Jahr jährlich.

"Heute": Geht das nicht zulasten der Sicherheit?

Hanke: Nein, die Fahrzeuge sind heute technisch deutlich sicherer als früher. Deshalb können wir die erste Überprüfung von drei auf vier Jahre ausdehnen, ohne die Verkehrssicherheit zu gefährden.

"Heute": Was bringt das den Autofahrern?

Hanke: Weniger Bürokratie, weniger Werkstatttermine und weniger Kosten. Pro Pickerl-Termin reden wir von 90 bis 120 Euro. In den ersten zehn Jahren fallen drei Überprüfungen weg – das ist eine spürbare Entlastung.

Minister Hanke: "Neue Pickerl-Intervalle bringen echte Entlastung."
Helmut Graf
„In den ersten zehn Jahren fallen drei Überprüfungen weg. Pro Pickerl-Termin reden wir von 90 bis 120 Euro.“
Peter HankeMinister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (SPÖ)

"Heute": Wann tritt die neue Regelung in Kraft?

Hanke: Mitte Mai 2027. Wir wollen den überprüfenden Stellen Zeit geben, um ihre Systeme umzustellen.

Gilt auch für ältere Autos

"Heute": Gilt es auch für Autos, die schon einige Zeit zugelassen sind?

Hanke: Ja. Bestehende Fahrzeuge steigen in das neue System ein. Ein sechs Jahre altes Auto muss dann etwa noch zweimal alle zwei Jahre und erst danach jährlich zum Pickerl.

"Heute": Bisher konnte man das Pickerl bis vier Monate nach Ablauf nachmachen. Das geht künftig nicht mehr?

Hanke: Ja, die Toleranzfrist nach hinten fällt weg. Damit ist man auch im Ausland sicher unterwegs und riskiert keine Strafe wegen eines formal abgelaufenen Pickerls. Dafür kann man künftig schon vier Monate vor Ablauf zur Überprüfung fahren.

"Heute": Kritiker sagen, Österreichs alpine Straßen belasten Autos stärker.

Hanke: Auch andere Länder haben Berge, wie zum Beispiel Spanien, und ein ähnliches Modell. Dieses Argument halte ich nicht für belastbar. Die Technik ist besser, die Autos sind sicherer.

Mehr Ladepunkte für E-Autos

"Heute": Österreich verzeichnet Rekorde bei der Zulassung von Elektroautos. Sie wollen die E-Mobilität weiter stärken. Dafür wurde jetzt auch eine Novelle zum Bundesstraßengesetz beschlossen?

Hanke: Ja. Künftig wird es möglich, im hochrangigen Straßennetz alle 25 Kilometer eine E-Ladestelle zu errichten. Bisher war das nicht möglich, da auf Rastplätzen in der Nähe von Tankstellen keine Ladepunkte errichtet werden durften. Das wird jetzt neu geregelt.

"Heute": Wie viele öffentliche Ladepunkte gibt es derzeit?

Hanke: Österreichweit rund 40.000. Die Zahl der Ultraschnellladepunkte hat sich im letzten Jahr von rund 2.000 auf über 4.500 mehr als verdoppelt.

Hanke will die E-Mobilität in Österreich weiter pushen.
Helmut Graf
„Künftig wird es möglich, im hochrangigen Straßennetz alle 25 Kilometer eine E-Ladestelle zu errichten.“
Peter HankeMinister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (SPÖ)

"Heute": Wie schnell funktioniert das Laden dort?

Hanke: Teilweise ist man nach 10 Minuten wieder fahrbereit. Genau das nimmt vielen die Angst vor längeren Strecken mit dem E-Auto. Aus gutem Grund haben wir gerade eine Kampagne mit dem Slogan "Keine E-ngste mehr!"

"Heute": Was ist das Ziel?

Hanke: Bis 2030 sollen allein im hochrangigen Straßennetz rund 1.500 PKW-Ladepunkte entstehen. Für E-Lkw sollen bis 2035 rund 1.300 Ladepunkte dazukommen. Ein gewaltiger Wurf für die E-Mobilität, wo die Grünen seltsamerweise dagegen gestimmt haben.

"Heute": Mit dem E-Auto muss man künftig also zum Laden nicht mehr von der Autobahn runter?

Hanke: Genau. Man soll am hochrangigen Straßennetz bleiben können und nicht auf einen Supermarkt-Parkplatz in Gemeinden ausweichen müssen. Das entlastet auch das niederrangige Straßennetz.

Höhere Strafen für Raser

"Heute": Auch bei Verkehrsstrafen wird nachgeschärft. Was kommt auf Raser zu?

Hanke: Wir sehen eine Verschlechterung bei den Unfallzahlen. 2025 waren rund 47.000 Menschen in Unfälle verwickelt. Die Zahl der Verkehrstoten ist im Vergleich zu 2024 um 15 Prozent gestiegen, wir hatten über 400 Tote. Ein wesentlicher Grund ist überhöhte Geschwindigkeit. Rasen ist kein Kavaliersdelikt. Wer zu schnell fährt, gefährdet Menschenleben. Deshalb braucht es klare Abschreckung.

Peter Hanke an seinem Schreibtisch im Ministerium.
Helmut Graf

"Heute": Was heißt das konkret?

Hanke: Bei Überschreitungen von mehr als 30 km/h steigt die Mindeststrafe von 150 Euro auf 200 Euro, bei mehr als50 km/h zu viel außerorts reicht der Strafrahmen künftig von 400 Euro bis 6.000 Euro. Gleiches gilt für Überschreitungen von mehr als 40 km/h innerorts.

"Heute": Werden die Strafen bundesweit vereinheitlicht?

Hanke: Ja. Anonymstrafverfügungen waren bisher je nach Bundesland unterschiedlich. Künftig macht es keinen Unterschied mehr, ob man in Wien oder Vorarlberg zu schnell fährt. Für denselben Tatbestand gibt es dieselbe Strafe.

„Rasen ist kein Kavaliersdelikt. Wer zu schnell fährt, gefährdet Menschenleben. Deshalb braucht es klare Abschreckung.“
Peter HankeMinister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (SPÖ)

"Heute": Das bringt auch zusätzliches Geld für die Staatskasse?

Hanke: Ja, geschätzt bis zu 80 Millionen Euro. Aber der zentrale Punkt ist die Verkehrssicherheit, im Optimalfall werden durch die Erhöhung der Strafen weniger Delikte begangen.

Bahn muss klimafitter werden

"Heute": Die Hitze hat zuletzt auch der Bahn zugesetzt. Muss die Infrastruktur klimafitter werden?

Hanke: Natürlich ist die Infrastruktur bei Temperaturen um 40 Grad gefordert. Die Klimaveränderung wirkt sich auf Weichen, Schienen und andere Bereiche aus. Da wird man in den kommenden Jahren stärker auf Schwachstellen schauen.

Luftfahrt unter Druck

"Heute": Auch das Fliegen gehört zum Mobilitätsmix. Ist der Luftverkehrsstandort Österreich wettbewerbsfähig?

Hanke: Der Luftverkehr erlebt geopolitisch und wirtschaftlich schwierige Zeiten. Deshalb haben wir für 2027 und 2028 jeweils 30 Millionen Euro für Maßnahmen als Krisenvorbereitung vorgesehen.

"Heute": Wofür soll das Geld verwendet werden?

Hanke: Das klären wir bis Herbst mit allen Beteiligten. Es geht darum, internationale Anbindungen, den Hub Österreich und auch die Bundesländerflughäfen zu stärken.

„Österreich ist auf funktionierenden Luftverkehr angewiesen.“
Peter HankeMinister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (SPÖ)

"Heute": Geht es dabei auch um Steuern und Gebühren? Es gibt Billigairlines, die sich aus Österreich zurückziehen, weil Abgaben und Flughafengebühren zu teuer seien.

Hanke: Unter anderem wird auch das zu diskutieren sein. Österreich ist auf funktionierenden Luftverkehr angewiesen.

Neue Regeln für Drohnen

"Heute": Auch Drohnen werden neu geregelt?

Hanke: Ja. Wir können künftig besser Bereiche definieren, in denen Drohnen nicht fliegen dürfen – etwa rund um Flughäfen oder bei Veranstaltungen. Gleichzeitig wollen wir Unternehmen, die Drohnen entwickeln, Testmöglichkeiten in Österreich geben.

Neuer Aktionsplan

"Heute": Als Teil der Industriestrategie soll auch die öffentliche Beschaffung neu ausgerichtet werden. Was heißt das?

Hanke: Die Republik beschafft um rund 70 Milliarden Euro pro Jahr.  In der Bundesregierung arbeiten wir gemeinsam an einem Aktionsplan für strategische öffentliche Beschaffung. Österreich und Europa sollen stärker in den Fokus rücken – besonders bei kritischer Infrastruktur. Die ÖBB und die ASFINAG sind hier bereits Vorreiter. Der Aktionsplan soll bis Ende des Jahres vorliegen.

„Österreich wird  künftig weniger in China einkaufen.“
Peter HankeMinister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (SPÖ)

"Heute": Heißt das: Nicht mehr nur der billigste Anbieter gewinnt?

Hanke: Genau. Es geht neben preislichen Aspekten besonders auch um regionale Wertschöpfung, Souveränität und Resilienz. Bei kritischer Infrastruktur müssen wir unabhängiger und selbstbestimmter werden.

"Heute": Wird Österreich künftig weniger in China einkaufen?

Hanke: So wird es sein. Es gilt ja: Wer am Ende die Software verantwortet, kann auch darüber bestimmen, was passiert. Deshalb muss Europa hier enger zusammenarbeiten.

{title && {title} } sea, {title && {title} } 10.07.2026, 05:30
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