Es war das erste Mal seit 28 Jahren, dass sich das österreichische Nationalteam wieder für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert hat. Dementsprechend groß war im Sommer die Euphorie im ganzen Land.
Diese Euphorie hat auch das Bundeskanzleramt erfasst. So flog Regierungschef Christian Stocker (ÖVP) mit einer großen Delegation in die USA, um dem Team vor Ort die Daumen zu drücken. Das geschah in Dallas (Texas) beim Spiel gegen Argentinien mit Superstar Lionel Messi. Geholfen hat’s nichts: Österreich verlor mit 0:2.
Doch auf dem Kalender des Bundeskanzlers stand nicht nur der Match-Besuch, wie das Kanzleramt schon betont hatte, nachdem Kritik an der Größe der Delegation laut geworden war. Stocker habe auch politische Termine und Gespräche wahrgenommen.
So habe er etwa im Beisein von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft das neue österreichische Honorarkonsulat in Dallas eröffnet und damit ein Zeichen für die Stärkung der wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen zu den Bundesstaaten Texas, Arkansas und Oklahoma gesetzt. Das Honorarkonsulat diene als zentrale Anlaufstelle für Auslandsösterreicherinnen und Auslandsösterreicher, Touristinnen und Touristen und Unternehmen im Süden der USA, hieß es am Montag aus dem Kanzleramt.
Im Mittelpunkt der Dienstreise seien Gespräche mit amerikanischen und österreichischen Unternehmern sowie politischen Entscheidungsträgern gestanden, wie zum Beispiel mit dem Bürgermeister der Millionenmetropole Dallas sowie US-Kongressabgeordneten. Schwerpunkt der Termine sei der Ausbau und die Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und den USA gewesen. Besonders im Fokus: Zukunftsbranchen wie Biotechnologie, Pharma, Energie und Quantentechnologie.
Die USA sind bekanntermaßen Österreichs bedeutendster Handelspartner außerhalb Europas. Für Österreich sei dabei vor allem Texas von großem Interesse, da der Bundesstaat zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen der USA zählt und als attraktiver Standort für Investitionen, Forschung und Innovation gilt. Viele innovative Unternehmen würden sich hier niederlassen und aus dem Silicon Valley nach Texas ziehen. Bereits heute sind mehrere österreichische Unternehmen vor Ort vertreten.
Trotz dieser weiteren Termine stellte die FPÖ eine parlamentarische Anfrage an Stocker zu den Kosten der Reise. Das Kanzleramt hat jetzt erste Details dazu genannt.
Demnach umfassen die erwarteten Gesamtkosten der Dienstreise die Flugkosten sowie geplante Kosten für das Hotel und den Transport vor Ort. Der Besuch des WM-Spieles erfolgte auf Einladung der FIFA und auf Wunsch des ÖFB-Nationalteams. Dafür fielen keine Kosten an. Der Bundeskanzler wurde von neun Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern des Bundeskanzleramtes (darunter sechs Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter des Kabinetts) begleitet.
Die dem Bundeskanzleramt voraussichtlich entstehenden Kosten für die Flüge beziffert man mit rund 57.750 Euro. Die österreichische Botschaft habe, wie bei Dienstreisen üblich, eine Ausgabenermächtigung des Bundeskanzleramtes in der Höhe von rund 32.000 Euro erhalten, um die Hotelkosten vor Ort abzudecken. Der konkrete Betrag sei allerdings noch nicht abgerechnet.
Außerdem habe die Botschaft eine Ausgabenermächtigung des Kanzleramtes in der Höhe von rund 13.000 Euro erhalten, um Transportkosten per Mietfahrzeug vor Ort abzudecken. Betont wird, dass es sich bei diesen Kosten um Schätzungen der Botschaft handle. Letztgültig abgerechnet sei dieser Betrag noch nicht. Damit summieren sich die Gesamtkosten auf satte 102.750 Euro.
Aber auch beim Fußball sei es nicht nur um die 90 Minuten des Spiels gegangen. Neben der Nationalmannschaft habe der Bundeskanzler auch Funktionäre, Sponsoren, Sportjournalisten sowie österreichische Fans getroffen. Wie Bundeskanzler Stocker hätten auch zahlreiche andere Staats- und Regierungschefs ihre Länder bei WM-Spielen vor Ort in den USA, Kanada und Mexiko unterstützt.
Laut Kanzleramt habe sich Stocker in Dallas auch ein Bild der Arbeit jener österreichischen Sicherheitskräfte gemacht, die vor Ort die amerikanischen Behörden unterstützt haben.
Das Team von Kanzler Stocker lässt auch einen Seitenhieb auf die politische Konkurrenz nicht aus – mit einem Vergleich: So habe die Reise des steirischen Landeshauptmanns Mario Kunasek (FPÖ) samt Delegation nach China knapp 140.000 Euro und damit deutlich mehr als Stockers Trip gekostet. Zudem sei auch der ehemalige Vizekanzler und Sportminister Heinz-Christian Strache zur WM 2018 nach Russland geflogen, um am Eröffnungsspiel Russland gegen Saudi-Arabien teilzunehmen. Nachsatz: Und das, obwohl Österreich damals gar nicht qualifiziert war.