Draußen wird es kälter, drinnen duftet es nach frisch aufgebrühtem Tee. Du kuschelst dich aufs Sofa, wartest geduldig, bis dein Lieblingstee fertig gezogen hat, und greifst schließlich zum Löffel. Noch schnell den Teebeutel am Tassenrand ausdrücken, damit auch wirklich der letzte Tropfen Geschmack im Getränk landet. Klingt vernünftig, oder? Tatsächlich kannst du dir mit dieser kleinen Angewohnheit den Teegenuss verderben.
Viele drücken ihren Teebeutel aus, weil sie glauben, dadurch besonders viel Aroma herauszuholen – doch der vermeintliche Geschmackstrick kann das Gegenteil bewirken: Durch das Auspressen können zusätzliche Gerbstoffe, sogenannte Tannine, in die Tasse gelangen. Sie sorgen für einen herberen, manchmal unangenehm bitteren Geschmack und können die feinen Aromen des Tees überdecken.
Gesundheitsschädlich ist das bei gewöhnlichem Schwarz- oder Grüntee in der Regel nicht: Tannine gehören zu den pflanzlichen Inhaltsstoffen und können antioxidativ wirken. Wer einen empfindlichen Magen hat, verträgt stark gerbstoffhaltigen Tee allerdings möglicherweise schlechter.
Anders sieht es bei Fencheltee aus. Die Samen enthalten von Natur aus Estragol, einen Pflanzenstoff, der wegen seiner möglicherweise erbgutschädigenden und krebserregenden Wirkung kritisch bewertet wird: "Wenn man den Teebeutel ausdrückt, gelangt das Estragol vermehrt in das Getränk", erklärt Molekularbiologin Lisa Hitschler von Öko-Test. Besonders bei Fencheltee rät sie deshalb davon ab.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) konnte anhand der verfügbaren Daten keine sichere Aufnahmemenge für Estragol festlegen. Besondere Vorsicht gilt für Schwangere, Stillende, Säuglinge und Kleinkinder. Das bloße Weglassen des Ausdrückens macht Fencheltee für diese Gruppen allerdings nicht automatisch unbedenklich.
Du setzt Wasser auf, gießt deinen Tee auf und wirst plötzlich vom Handy abgelenkt. Statt drei Minuten zieht der Beutel eine Viertelstunde. Muss der Tee jetzt weg? Bei gewöhnlichem Schwarz- oder Grüntee meist nicht: "Eine längere Ziehzeit ist nicht gesundheitsschädlich", erklärt Hitschler. Allerdings lösen sich dabei weitere Gerbstoffe, wodurch das Getränk zunehmend bitter schmecken kann.
Für den besten Geschmack empfiehlt sich deshalb die passende Zubereitung: Grüner Tee zieht bei etwa 70 bis 80 Grad oft zwei bis drei Minuten. Schwarzer Tee verträgt heißeres Wasser mit 90 bis 100 Grad und ungefähr drei bis fünf Minuten Ziehzeit. Bei Früchte- und Kräutertees gelten andere Empfehlungen; hier solltest du dich an die Angaben auf der Verpackung halten.
Ganz ohne positiven Nebeneffekt ist eine längere Ziehzeit nicht: Eine Untersuchung im Fachjournal "ACS Food Science & Technology" zeigt, dass Teeblätter bestimmte Schwermetalle wie Blei, Kupfer und Chrom aus Wasser binden können. Je länger der Tee zog, desto stärker war dieser Effekt unter den untersuchten Bedingungen. Auch Papier- und Zellulosebeutel konnten Schadstoffe aufnehmen. Das macht Tee allerdings nicht zu einer verlässlichen Methode, um belastetes Trinkwasser zu reinigen.