Im Obstregal gehen sie zwischen Äpfeln und Birnen beinahe unter. Dabei müsste man eine Quitte eigentlich nur einmal in die Hand nehmen, um neugierig zu werden: goldgelbe Schale, feiner Flaum und ein intensiver, fast zitroniger Duft. Die etwas altmodisch wirkende Frucht feiert im Herbst ihre große Saison – und hätte deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient.
Quitten gehören wie Äpfel und Birnen zu den Rosengewächsen und blicken auf eine lange Geschichte zurück. Ursprünglich stammen sie aus dem östlichen Kaukasus. Schon in der Antike wurden sie kultiviert. Unterschieden wird heute vor allem zwischen Apfel- und Birnenquitten, deren Form ihrem jeweiligen Namensgeber ähnelt.
Einfach hineinbeißen solltest du bei den meisten hierzulande verbreiteten Sorten lieber nicht. Ihr Fruchtfleisch ist sehr hart und schmeckt roh herb bis bitter. Beim Kochen, Dünsten oder Backen verändert sich die Quitte jedoch: Sie wird weich, ihr Geschmack milder und ihr charakteristisches Aroma kommt wunderbar zur Geltung.
Vorher solltest du den Flaum auf der Schale gründlich mit einem Tuch abreiben und das Kerngehäuse entfernen. Danach sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Klassiker sind Quittengelee, Kompott, Mus, Marmelade, Saft oder Quittenbrot. Aber auch herzhaft kann die Frucht überzeugen – etwa als Chutney zu Käse oder als fruchtige Begleitung zu Schmorgerichten.
Mit einem Wasseranteil von mehr als 80 Prozent sind Quitten von Natur aus relativ kalorienarm – zumindest solange sie nicht mit großen Mengen Zucker zu Gelee oder Marmelade verarbeitet werden. Nach Angaben des Bundeszentrums für Ernährung enthalten sie unter anderem Vitamin C. Davon geht beim notwendigen Erhitzen allerdings ein Teil verloren.
Interessant sind Quitten außerdem wegen verschiedener sekundärer Pflanzenstoffe: Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 beschreibt für Bestandteile der Quitte unter anderem potenziell antioxidative, entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften. Hier ist jedoch Zurückhaltung angebracht: Viele der untersuchten Effekte wurden bislang nicht ausreichend beim Menschen nachgewiesen. Die Quitte ist also ein wertvolles Lebensmittel, aber kein Wundermittel.
Noch ein Argument für die gelbe Frucht: Quitten wachsen auch bei uns. Man findet die alten Obstbäume etwa in Gärten und auf Streuobstwiesen. Haupterntezeit ist im Oktober und November, zudem tauchen regionale Früchte in dieser Zeit auf Märkten und in Hofläden auf.
In der Volksheilkunde hat die Quitte eine lange Tradition. Früher wurden nicht nur das Fruchtfleisch, sondern auch Blätter, Schale und Samen verwendet. Quittentee und der aus Samen gewonnene Schleim kamen beispielsweise bei Husten, gereizter Haut oder Verdauungsbeschwerden zum Einsatz.
Auch die Wissenschaft interessiert sich für diese traditionellen Anwendungen. Tier- und Laborstudien liefern beispielsweise Hinweise auf mögliche Effekte von Quittensamenschleim bei der Wundheilung. Daraus lässt sich allerdings noch keine gesicherte medizinische Wirkung beim Menschen ableiten.
Bei den Samen ist ohnehin Vorsicht geboten: Quittenkerne solltest du nicht zerkauen oder zerdrücken, da dabei Blausäure freigesetzt werden kann. Beim Verarbeiten der Früchte wird das Kerngehäuse deshalb am besten sorgfältig entfernt.